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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

probt waren, und er stellte zu diesem Zwecke an dem öffentlichenLehrhause einen Thürhüter oder Pförtner auf, mit dem Aufträge,die Unzuverlässigen fern zu halten U- Es scheint, daß er damit derUnlauterkeit der Absichten bei dem Gesetzstudium entgegenarbeitenwollte. Es mochten sich Manche aus Eitelkeit oder aus anderenniedrigen Interessen zur Lehrhalle gedrängt haben, und solche wollteR> Gamaliel entfernt wissen. Zwei Warnungen, die eine von R.Jochauan b. Sakkai und die andere von R. Zadok gegen unlautereMotive bei der Betheiligung an der Lehre, scheinen für diese Ver-muthung zu sprechen. Der erste hatte warnend ausgesprochen:Wenndu dir Vieles aus der Lehre angeeignet hast, so sei nicht stolz darauf,denn du bist ja eben nur dazu geschaffen"^. Der letztere ermahnte:Gebrauche die Lehre weder als Krone, damit zu glänzen, noch alsSpaten, damit zu graben"^). Solche niedrige Gesinnungen strebteR. Gamaliel aus dem Lehrkreise auszuschließen.

Beide Maßregeln, die Autorität des Patriarchats für die Auf-rechthaltung halachischer Beschlüsse und die Vorsicht bei der Auf-nahme von Mitgliedern und Jüngern, fanden indessen im Kreise derGenossen Widerspruch, der sich anfangs nur heimlich äußerte. DasMittel, dessen er sich bedientes, eine Auflehnung niederzuhalten, warnämlich der Bann, den er mit aller Energie und mit der ganzenRücksichtslosigkeit tieferkanuter Ueberzeugung handhabte. Der Baun(Mäuj, Lolmmta,) hatte damals allerdings noch nicht die düstere Strengespäterer Zeiten, sondern bestand in der milden Form, dem Gebanntenvertrauten Umgang zu versagen, bis er sich reuig der Aufforderunggefügt hatte. Der Gebannte trug während der Bannzeit mindestens30 Tageschwarze Trauerkleider und beobachtete manche Trauer-gebräuche ^); starb er während dieser Zeit ohne Besserung und Unter-würfigkeit, so ließ der Gerichtshof einen Stein auf dessen Sarg legen ^).R. Gamaliel hatte den Muth, den Baun über die bedeutendsten Personender Zeit zu verhängen, wodurch er sich freilich erbitterte Feinde zuzog. Erlegte einen R. Joss b. Taddai aus Liberias in den Bann, weil der-selbe die Schlußfolgerung vom Geringern zum Höhern (Lal-vu-OIiomar)für rituelle Anwendung durch einen sophistischen Trugschluß lächerlichgemacht hatte. Der Trugschluß des b. Taddai lautete:Wenn die Ehemit der eigenen Tochter unstatthaft ist, wiewohl sie doch mit derenMutter gestattet ist, um wie viel mehr müßte die Ehe mit der Tochter

U Lsraebot 28 b. *) ^.bot II. 9.

2) Daselbst IV. 7. Vergl. Matthäus-Evangelium Cap. 23.

Zloecl Latau 15 b. ff.

°) Lulojot V. 6. üerus. Lloscl Latau III. 8l ä. das.