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Geschichte der Juden.
eines Fernrohres') und hatte an der Wand seines Zimmers Ab-bildungen von Mondscheiben angebracht, um sie bei dem Verhöreder Zeugen über die Wahrnehmung des Neumondes zu gebrauchen,und deren Aussagen darnach zu prüfen^). Von Natur kränklich, scheuteer doch die größten Anstrengungen nicht, wenn es das Wohl seinesVolkes galt.
R. Gamaliel führte wie seine Vorfahren den Titel Naßi (Fürst,bei den Römern Patriarcb) und hatte Wohl auch die politische Stellung,das jüdische Volk bei den römischen Behörden zu vertreten. DieDauer seines Patriarchats läßt sich nicht bestimmen, nur annäherungs-weise dürfte es über dreißig Jahre betragen haben (80—117). SeinPatriarchat war eines der bewegtesten nach Innen und Außen, unddiese Zeitumstände verursachten, daß er seine Würde so unerbittlichstreng handhabte, daß man dadurch seinen Charakter verkannt undihm selbstische, herrschsüchtige Pläne untergeschoben hat. R. Gamalielrichtete sein Hauptstreben dahin, das Patriarchat znm Mittelpunkte desjüdischen Gemeinwesens hinzustellen, um die bedrohte Einheit derLehre durch die Autorität desselben gegen alle Anfechtungen zu behaupten.In den Streitigkeiten zwischen den Anhängern der Schammaitischenund Hillelschen Schule sollte das Patriarchat gleichsam über denParteien stehen, um die Einheit der Lehre zu erzielen. Der' Planscheint R. Gamaliel vorgeschwebt zu haben, die Verschiedenheit derAnsichten über streitige Gesetzesfälle derart zu vermitteln, das jedeHalacha, jedes Gesetz erst durch einen Beschluß des Synhedrin Voll-gültigkeit erlangen sollte^), über dessen Vollziehung und Ausführungder Patriarch zu wachen hätte. Das Bedürfniß nach Einheit scheintauch allgemein gefühlt worden zu sein, je mehr der Gegensatz derbeiden Schulen sich bis zur Schroffheit steigerte und je mehr die beider-seitigen Anhänger auf den von ihren Lehrern empfangenen Halachasin starrer Conseqnenz beharrten. Die Zeitgenossen verhehlten sichnicht, ,daß die Lehre durch die schroffe Verschiedenheit leicht in Ver-fall und Vergessenheit gerathen könnte. Man sprach die Befürchtungaus: „es könnte bald eine Zeit kommen, wo man vergebens eineEntscheidung aus der Schrift oder mündlichen Ueberlieferung suchenund ein Bescheid dem andern widersprechen würde." Das jamnen-sische Synhedrin unterwarf daher die streitigen Punkte der nochmaligenErörterung und sing mit den Lehrsätzen von Hillel und Schammaian, um sie durch Abstimmung zu allgemein gültigen Gesetzen festzu-
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