Gamaliel II.
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durch den letzten Krieg zur Nothwendigkeit geworden, mochten diejüngern Mitglieder nichts wissen, sondern warfen die Fragen in ihrerganzen Schärfe noch einmal ans. Diese Streitigkeiten zu schlichten,die der Auflösung nahe Einheit zu behaupten und gegen fernereAngriffe zu schützen, war die Lebensaufgabe Rabban Gamaliels,wodurch er aber mit seinen Genossen und Freunden in Zerwürfnis;und offene Fehde gerieth.
Gamaliel II. stammte aus dem edlen, hochverehrten HillelschenHause, war der Sohn jenes Patriarchen Simon, welcher zur Parteider gemäßigten Zeloten gehört und den Krieg gegen die Römer mitNachdruck geleitet hatte. Bei dem Untergange des Staates war R.Gamaliel höchst wahrscheinlich noch zu jung und daher untauglich,das erledigte Patriarchat, das den Ernst und die Reife des Manneserforderte, zu übernehmen. Auch mochte er wegen der politischenHaltung seines Vaters bei den Machthabern mißliebig gewesen sein.Darum hatte R. Jochanan, eigentlich nur vorübergehend, das Prä-sidium im Synhedrin geführt; denn es verstand sich von selbst, daßdiese Würde den Abkömmlingen Hillels gebühre, welche sie durch dreiGeschlechter geerbt hatten. Es wird nicht erzählt, wann und durchwelchen Akt R. Gamaliel in dieses Amt eingesetzt wurde. Er wirdzum Unterschiede vom Namen seines Großvaters, des altern R-Gamaliel, mit dem Zunamen Gamaliel von Jabne oder der Zweitegenannt. Von seinen Privatverhältnissen ist nur wenig bekannt; dochdies Wenige zeugt von seinem hohen sittlichen Charakter und seinemreichen Gemüthe. R. Gamaliel besaß Felder, die er an Freigärtnerfür einen Antheil an dem Ernteertrage zur Benutzung überließ. Diesenlieferte er auch Körner zur Aussaat, verfuhr aber bei deren Rückzahlungso gewissenhaft, daß er sie von ihnen nur unter den billigsten Preisenannahm, um auch den Schein von Zinsnahme zu vermeiden').Rührend ist seine Zärtlichkeit für seinen Lieblingssklaven Tabi, demer so gerne die Freiheit geschenkt hätte, wenn er das Gesetz hätteumgehen können, welches die Freilassung der Sklaven mißbilligtes.Beim Tode dieses Sklaven nahm er Beileidsbezeugungen an, wie füreinen Verwandten. — R. Gamaliel scheint auch einige mathematischeKenntnisse besessen zu haben; überhaupt stand die Mathematik beieinigen Tanalten dieser Zeit unter den Namen „Geometria" hochin Ehren b) und wurde bei der Festsetzung der Festzeiteu unter deinNamen Tekufah augewcndet. Der Patriarch bediente sich schon
Z Labs, Lsma p. 74. b,
2) Lada Laras. 74 l>. Isr.: Lsiubot III. Ende; 8elrsbuol IV. Ende.
°) Urot e. III. Ende. Ilorosod x. 10 a.