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Geschichte der Juden.
eutgegenhielten. Er sah einst eine Frau ans dem reichen undangesehenen Hause Nicodemos b. Gorion ans Jerusalem, wie sie inMaon unter Rvsseshufen Gerstenkörner zu ihrer kärglichen Nahrunganflas. Diese Scene machte einen um so schmerzlicheren Eindruck aufihn, als er Zeuge ihres ehemaligen Glückes und Glanzes war.„Unglückliches Volk, sprach er, ihr wolltet nicht eurem Gotte dienen,so müßt ihr jetzt fremden Völkern dienstbar sein; ihr mochtet nichteinen halben Sekel für den Tempel steuern, so müßt ihr jetzt fünfzehnSekel für den Staat eurer Feinde zahlen; ihr mochtet nicht die Wegeund Straßen für die Festwaller in Ordnung halten, so müßt ihr jetztdie Wächterhäuscr in den Weinbergen unterhalten, die sich die Römerzugeeignet haben*)." Das war allerdings hart für Diejenigen,denen die Freiheit und Selbstständigkeit noch im frischen Andenkenlebten; aber diese Lage war noch erträglich gegen den Leidensstandder unmittelbar nachfolgenden Zeiten. Zu dem leidlichen Verhältnissezwischen den siegenden Kaisern Vespasian und Titus und den besiegtenJuden mögen auch die übriggebliebenen Glieder des herodianischenKönigshauses, Agrippa und seine Schwester Berenice, beigetragen haben,welche in ganz nahen Beziehungen zu den Machthabern standen. DieFürstin Berenice, deren Schönheit der Zeit zu trotzen schien, hielteine sehr lange Zeit den leidenschaftlichen Titus in ihren Reizengefesselt, und es fehlte nur sehr wenig dazu, daß die jüdische Fürstinrömische Kaiserin geworden wäre. Nur das Vorurtheil des römischenStolzes gegen ihre jüdische und barbarische Abstammung, wie dieRömer es nannten, störte das Eingehen eines ehelichen Bündnisseszwischen Titus und Berenice; cs legte dem Kaisersohne den Zwangauf, das jahrelang gepflogene Verhältniß mit gebrochenem Herzen auf-zulösen. So hatte es Wohl der kluge kaiserliche Vater verlangt; diejüdische Prinzessin mußte den Palast und Rom verlassen. Als TitusKaiser geworden war, eilte Berenice nach Rom, in der Erwartung,von ihm mit offenen Armen und schlagendem Herzen empfangen zuwerden. Sie wurde aber kalt abgewiesen; in der Brust des wiewohlnoch jugendlichen Kaisers schlug nicht mehr das Herz des Jünglings, erhatte sich inzwischen unnatürlichen Lüsten ergeben ^). Die Glieder desjüdischen Königshauses sind übrigens in der jüdischen Geschichte ganzund gar verschollen; nicht einmal die gefällige Sage hat sich ihrerangenommen, um ihrem Untergange einige elegische Klänge zu weihen.Das herodianische Haus hatte in dem Herzen des Volkes kein Plätzchen
*) llleolülta zu Abschnitt lletbro e. 2. Lstnbot x. 66 b.
°h Luetou in llätus e. 7; I)io (lassius 66, 18; vergl. Olo 67, 2.