Jochancm's Tod.
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gewonnen, darum rächte sich das Volk an ihm durch vollständigeVergessenheit. Ohne Zweifel verloren sich Herodes' Nachkommen durchMischehen unter die Römer. Einige Glieder derselben saßen ans demThrone von Groß- und Klein-Armenien, freilich als völlig dem Juden-thume entfremdet. Nur von einem einzigen Gliede dieses Hauses istder tragische Tod bekannt geworden: Agrippa, ein Neffe des letztenjüdischen Königs Agrippa, ein Sohn der leichtsinnigen Drusilla, fandmit seiner Frau den Tod in den Flammen des Vesuvs Z bei dessenheftigen Ausbruche im Jahre 79, als er die Städe Hcrkulanum undPompeji mit einer Lavadecke einsargte.
Wie lange R. Jochanan in dem neugeschaffenen Kreise gewirkt hat,ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben, indessen kann seine Wirksamkeitnicht über zehn Jahre gedauert haben, und er hat wohl DomitiansRegierung nicht erlebt^). Von den auswärtigen jüdischen Gemeindenin Rom, Griechenland, Egypten und in den parthischen Ländern istin diesem Zeitalter durchaus nichts bekannt; sie haben sich ohne Zweifeldem jamnensischen Synhedrin gefügt, zu dem sie durch die Anordnungder Festzeit und wohl auch durch Anfragen über zweifelhafte Gesetzes-bestimmungen in Beziehung standen. Es kann nicht genug hervor-gehobeu werden, daß eben diese Einmüthigkeit des jüdischen Volkes inder Zerstreuung das Werk R. Jochanan b. Sakkai's war, der dasBand, welches die entferntesten Gemeinden mit einander zu einemGesammtbewußtsein vereint hatte, und welches durch die Kämpfe halbzerrissen war, wieder zusammenzuknüpfeu wußte. Er bereitete den Ueber-gang vor aus dem geräuschvollen verwickelten Staatsleben in das stilleaber nicht minder thatenreiche Gemeinde- und Gedankenleben. R. Jochananvereinigte in sich den Propheten Jeremias und den aus dem Exilheimgekehrten Fürsten Zerubabel. Wie Jeremias trauerte er auf denTrümmern Jerusalems, wie Zerubabel schuf er einen neuen Zustand.Beide, R. Jochanan, wie Zerubabel, standen an der Schwelle zweierEpochen, von der einen erbend, die andere vorbereitend; beide habenden Grundstein gelegt zu einem Neubau des Judenthums an dessenVollendung und lleberdachung die folgenden Geschlechter gearbeitet haben.
R. Jochanan starb auf seinem Bette in den Armen seiner Jünger.Vor dem Tode hatte er mit ihnen eine Unterredung geführt, welcheeinen Blick in sein Inneres gewährt. Seine Schüler waren erstaunt,ihren muthvollen Meister in der Todesstunde verzagt und kleinmüthigzu finden. Er bemerkte gegen sie, daß er nicht den Tod fürchte, sondern
9 Josephus Alterthümer XX. 7.
2) Siehe Frankens Monatsschrift 1852, S. 2V1 ff.