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Geschichte der Juden.
regeln; es fand Aufnahme, Pflege und Weiterbildung und führte denNamen: die Regel der Erweiterung und Ausschließung (Libdngn-mürct); aber es hatte auch Gegner gefunden.
R. Nechuuja b. Hakaua wird besonders als Gegner dieser Nachum-schcn Lehrweise genannt. Es ist von ihm weiter nichts bekannt, alsdaß er sanften, nachgiebigen Charakters war. Er gehörte nicht zudem Jüngerkreise R. Jochanans, sondern war sein ebenbürtiger Zeit-genosse^). R. Nechuuja verwarf die Regeln der Erweiterung undAusschließung und behielt nur die Hillel'schen Regeln bei^). Eine sehr-junge Sage stempelt ihn zum Kabbalisten und schreibt ihm oder seinemVater Kanah die Abfassung mehrerer mystischen Schriften zu, die aber,wie alle den älteren Tanalten beigelegten Kabbalawerke ganz entschiedenjüngeren Ursprungs sind.
R. Jochanan b. Sakkai scheint auch nach der Politischen Seitehin ein Schild für das junge Gemeindeleben, das er neu geschaffen,gewesen zu sein. Seinen freundlich milden Charakter, wodurch erseinem Lehrer Hillel so ähnlich war, bewährte er auch gegen Heiden.Es wird von ihm erzählt, daß er Heiden zuvorkommend grüßteSolche Freundlichkeit bildet einen grellen Kontrast zu dem Hasseder Zeloten gegen die Heiden vor und nach dem Aufstand, der sichnach der Tempelzerstörung noch steigerte. Den Vers (Sprüche 14. 10):„die Milde der Völker ist Sünde" deuteten die Zeitgenossen ganzbuchstäblich, mit sichtbarer Gereiztheit gegen die Heidenwelt, zu derenNachtheil, indem sie es geradezu aussprachen: „die Heiden mögenuns noch so viel Gutes und Mildes erweisen, so wird es ihnenals Sünde ungerechnet; denn sie thun es nur, um uns zu verhöhnen."Nur R. Jochanan b. Sakkai deutet diesen Vers im Sinne echterMenschenliebe: „Wie das Sündenopfer Israel sühnt, so sühnt
Wohlthätigkeit und Milde die Heidenvölker^)". Eben diese sich gleich-bleibende Friedfertigkeit R. Jochanans mag dazu beigetragen haben,daß die zwei flavianischen Kaiser Vespasian und Titus trotz ncuerAufstände der Inden, die sie in Kyrene und Egypten zu dämpfen hatten,ihre Strenge aufgaben und die jndäischen Genieinden keine außer-ordentliche Verfolgung mehr erdulden ließen. Ausdrücklich merken dieältesten Quellen an, daß die römischen Machthaber nach der Dämpfungdes Krieges die Aechtung, welche früher gegen jeden Inden verhängtwar, der den Soldaten in die Hände fiel, aufhoben und sogar dieTodesstrafe ans den Mord eines Juden setzten^). R. Jochanans
*) Labs, Latra 1v 1). "> Lolisbnot das.
2) Lsraoüot 17 b. Habs. Ilatra das. Siche Note 3.