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Geschichte der Juden.
vorznbengen*). So weit sie aus älterer Zeit bereits ausgeprägt Vor-lagen, waren sie in dieser Zeit durchaus nicht geordnet oder irgend-wie klassificirt, sondern ohne Zusammenhang unter einander, mir anden Namen des Ueberlieferers gereihet. So lehrte man zum Beispiel:Hillel hat sechs Halachas überliefert und zwar diese und diese. DieHalacha bildete den Grundstock der mündlichen Lehre, deren treueBewahrung und gewissenhafte Ueberlieferuug die Lebensaufgabe diesesZeitraumes war. — Die zweite Art war, den Stoff der Traditionans dem Schriftworte nach gewissen Regeln herznleiten, entwederaus dem Inhalte und Zusammenhänge des Textes oder aus einerAndeutung, auf einem eigenen Worte oder einer eigenen Silbeberuhend. Diese Art der Herleitung aus der Schrift hieß Midrasch(Deutung); das geschriebene Wort galt als Träger für den mündlichenGesetzesstoff ^).
Die dritte Art mar, die Regeln der Schriftauslegung auf Grundvorhandener Gesetzesbestimmungen unter gewissen Umständen auf neueFälle anzuwendeu. Dieses Verfahren der Anwendung und Folgerunghieß Talmud (im engern Sinne). Die Herleituugsregeln warenaber zu der Zeit weder fest noch allgemein gültig. Die siebenRegeln, welche Hillel zuerst aufgestellt hatte, fanden bei Schammaiund seiner Schule Widerspruch. — Die talmudische Lehrweise er-forderte verniöge ihrer Eigenthümlichkeit, aus gegebenen Gesetzen neueResultate zu ermitteln, mehr Gedankenarbeit, sie erweckte die logischenOperationen des Geistes und schärfte den Verstand, sich in neueGedankenkreise leicht hinein zu finden.
Die Agada, welche unter der Hand der friedliebenden Hillel'-schen Schule, der übriggebliebenen Trägerin der Lehre, einen andernCharakter hatte oder annahm, machte ein eigenes Fach aus. Siewar in diesem Kreise nicht feindselig oder aufreizend, sondern harmloserbaulich, versöhnlich. Die Erläuterung der Geschichte, des Prophcteu-wortes, das Vergegenwärtigen der Vergangenheit und Zukunft desJudeuthums war ihr Geschäft. Sie zog in ihren Kreis die Unter-suchung über der Gesetze Sinn und Bedeutung, sie forschte nach denallgemeinen sittlichen Wahrheiten des Judenthums, sie verknüpftegeschickt die Gegenwart mit der Vergangenheit und ließ aus altenErlebnissen gegenwärtige Lebenslagen widerspiegeln. Die Halachabildete den Grnndstamm der Lehre, der Midrasch die Sangwurzeln,die aus dem Schriftworte Lebensclcment sogen, der Talmud die
Lulcsiot I. 1. ch Siehe Note 2