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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

bracht hatten, und neben ihnen Eleasar b. Arach; auch der nachmaligePatriarch Gamaliel war sein Schülers. Der hervorragendste undbedeutendste unter ihnen war Eleasar b. Arach, von dem gesagtwurde: auf eine Wagschale gelegt, wiege er alle seine Mitjünger ans.Ihr Meister liebte es, sie durch inhaltreiche Fragen znm Selbstdenkenanzuleiten 2). So gab er ihnen einst das Thema zum Nachdenken auf:Was soll sich der Mensch am liebsten aneignen? Der Eine erwiderte:ein wohlwollendes Wesen"; ein Anderer:einen edlen Freund"; einDritter:einen edlen Nachbar"; der Vierte endlich:die Gabe, dieFolgen seiner Thaten im Voraus zu berechnen". Eleasar bemerkte:der Mensch soll sich ein edles Herz aneignen", und diese Bemerkunggefiel R. Jochanan, als in seinem Sinne gesprochen, weil darin Allesenthalten sei.

R. Jochanan galt zu seiner Zeit als der volle Inbegriff und alslebendiger Träger der mündlichen Lehre, er umfaßte alle ihre Theilemit Meisterschaft- Hillel, sein Lehrer, hatte dem Jndenthnme eineneigenen Schnitt und Wurf gegeben oder vielmehr den Gesetzescharakter,der ihm von Hanse ans eigen ist, zuerst ausgebildet und begründetund damit eine eigene Theorie, eine Art jüdische Theologie, richtigerNo mologie (Lehre vom Religionsgesctze) geschaffen. Er war dererste Begründer der talmudischen Behandlungsweise der Lehre. Ausdem Getriebe der Parteien, welche einander zerfleischten, hatte Hilleldie Lehre in das Stillleben des Lehrhauses gezogen, sie mit Sorgfaltumgeben und sie mit den ihr scheinbar feindlichen Denkgesetzen zu ver-söhnen versucht. Denn dem, was bisher nur als Brauch und Her-kommen gegolten, und darum von den Saddncäern als Menschensatznngund als unberechtigte Neuerung verworfen worden war, hatte Hilleleine biblische oder sinaitische Unterlage gegeben. Seine sieben Deutungs-oder Auslegungsregeln hatten den Kreis der vorhandenen und durchdie sopherischen und pharisäischen Lehrer eingeführten Gesetze einerseitsgesichert und andrerseits ihm die Keimfähigkeit gegeben, sich zu er-weitern. Die schriftliche (pentateuchische) und mündliche (sopherische)Lehre lagen seitdem nicht mehr wie zwei einander fremde Gebiete weitauseinander, sondern traten in innige Berührung zu einander, durch-drangen und befruchteten einander.

Von einer andern Seite hatte sich auch noch zur Zeit desTempelbestandes eine andere Art der Schriftanslegung ausge-bildet. Seitdem der idumäische Herodes den einander bekämpfendenParteien die Waffen aus den Händen gerungen, Allen den Fuß auf

*) Labs, datra p. Ivb. Das. und ^bot II. 13.