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Geschichte der Juden.
unbezweifelt, daß diese Wichtigkeit Jabne's erst nach der ZerstörungJerusalems begonnen hat*). Auch nach R. Jochanan's Niederlassungwar nicht sobald an irgend eine Thätigkeit zu denken, so lange dererbitterte Kampf vor den Mauern Jerusalems, in seinen Straßenund um den Tempel wnthete. — Als die Nachricht einlief, daß dieStadt gefallen und der Tempel in Flammen anfgelodert sei, zerrissenN. Jochanan und seine Jünger ihre Kleider, trauerten und jammerten,,wie um den Tod eines Nahverwandten. Aber der Meister verzweifeltenicht, wie die Jünger; denn er erkannte, daß das Wesen des Jnden-thums nicht unauflöslich an Tempel und Altar gebunden sei, um mitihm untcrzugehen. Er tröstete vielmehr seine trauernden Schüler überden Verlust der Sühnestätte mit der Bemerkung, daß „Mildthätigkeit"das Opfer ersetze, wie es in der Schrift heißt: „denn ich habe anMildthätigkeit Gefallen und nicht am Opfer" ^). Diese freie Ansichtüber den Werth der Opfer ließ ihn klar erkennen, daß vor Allemnöthig sei, einen neuen Mittelpunkt anstatt des Tempels hinzustellen.Er ließ daher in Jabne ein Synhedrion zusammentreten, als dessenPräsident er um so eher anerkannt wurde, als er der einzig übrig-gebliebene Schüler Hillels gewesen sein mochte, und Gamaliel, derSohn des in der Revolution thätigen Patriarchen Simon, ohne Zweifelnoch unmündig war. Das neue znsammengeraffte Synhedrion warsicherlich nicht vollzählig mit siebzig Mitgliedern besetzt und solltewohl einen ganz anderen Wirkungskreis haben, als das jerusalemischewährend der Revolution, dem die Gewalt der Verhältnisse die wich-tigsten politischen Angelegenheiten zugewicsen hatte. Dem jamnensischenSynhedrion übertrug dessen Gründer vor Allem die religiöse Macht-vollkommenheit, welche es in Jerusalem besessen hatte, mit der zu-gleich die richterlichen Funktionen eines Obertribnnals verbundenivaren. Nur die vollgültige Autorität R. Jochanan's konnte einsolches Werk, wie die Schöpfung und Kräftigung eines Synhedrion,unter den ungünstigsten Umständen zu Stande bringen. Denn ermußte der herrschenden Ansicht entgegentreten, daß der Synhedrial-körper lediglich innerhalb der Tempelqnaderhalle (lüsollollab lla-Oamt)Befugniß habe, außerhalb dieser Stätte verliere er aber seinen gesetz-gebenden und gesetzentscheidenden Charakter und höre auf, Vertretungder Nation zu sein. Das Synhedrion und dessen Funktionen galtenbis dahin selbst nur als ein wesentlicher Theil des Tcmpellebens undwaren ohne dessen Bestand gar nicht denkbar. Indem also R. Jochanan
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