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Feinden. Allein sie hatten doch den Schein eines eigenen Vaterlandesund dieses Vaterland galt als ein heiliges Land, als Erbe Gottes.Es war ein Trost im grenzenlosen Leiden.
Wie ein Scheinvaterland bestand auch ein Scheinkönigthnm.Agrippa II., welcher zum Siege der Römer soviel Vorschub geleistethatte, war von Vespasian als König belassen worden. Sein Herrschcr-gebiet war Galiläa, dessen judäische Bewohner sich unter seinerHerrschaft wohler gefühlt haben. Da er selbst in der Nähe desKaisers und besonders des Cäsars Titus weilte, um die im tiefstenInnern gehegte Hoffnung, den Titnlarenrang eines Königs von Judäain den eines wirklichen Königs mit Herrschermacht verwandelt zusehen, so ließ er Galiläa von einem heidnischen Kriegsobersten undvon einem judäischen Friedensbeamten verwalten. Agrippa scheint beider jüdischen Bevölkerung des Landes beliebt gewesen zu sein, so sehrihn auch die kriegführenden Zeloten wegen seiner Anhänglichkeit anRom ingrimmig gehaßt hatten. Als er einst, wahrscheinlich von einerRomfahrt zurückgekehrt, in einem Hafenplatz landete, beeilten sichauch die Gesetzesstrengen, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen,selbst die Aaroniden scheuten sich nicht, dabei über Grabgewölbe zuschreiten mit Verletzung des levitischen Reinheitsgesetzes. Nach demUntergang alles Hohen wollten sie sich an dem Anblick eines judäischenKönigs weiden. Vielleicht schmeichelten sich Einige, von diesem Titular-könig die Wiederherstellung des judäischen Gemeinwesens zu erwarten.Es war ein lautes Geheimniß, daß Titus leidenschaftlich in diePrinzessin oder Königin Berenice, des Königs Schwester, verliebt war,daß er sie zu heirathen gedachte und aus Elfersucht einen seiner Tafel-genvssen umbringen ließ. Allerdings der prosaische Vater mißbilligteeine solche Mischehe, noch dazu mit einer Judäerin. Aber wie, wennnach dessen Tode Titus zur Regierung gelangte und Berenice zurKaiserin machte? Es war auch bekannt, daß sie trotz ihres Leicht-sinns immer die rituellen Gesetze des Judenthnms beobachtete. Würdesie nicht ihren Einfluß anfbictcn, die Opferstätte in Jerusalem wiederaufzurichten? Es war nicht ganz und gar eine kindische Illusion,davon sich die Gesetzestreuen leiten ließen: Bald kann das Heiligthumerbaut werden.
An diesen Schein des fortbestehenden, von Rom bestätigten König-thums und an die Hoffnung einer Restauration klammerten sich aus-wärtige wie heimische Gemeinden und sie dämpfte für den Augenblickdie Verzweiflung und beruhigte die aufgeregten Gemüther. Zurgrößeren Beruhigung diente aber das Auftreten und die Wirksamkeitdes R. Jochauan b. Sakkat, der dem erschütterten Volke eine neue