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Einleitung.
Den Abglanz dieses tiefsinnigsten Gedankenlebens bildet die jüdischeLiteratur, und sie innßte um so reicher ansfallen, als sie nicht nurdas Bedürfnisz war für die Begabteren, sondern eine Arznei für dasganze leidende Volk; durch das Heimischwerden des jüdischen Volkesauf der ganzen bewohnbaren Erde wurde das jüdische Schriftthumeine wahrhafte Weltliteratur. Sie bildet den Kern der jüdischenGeschichte, den die Leidensgeschichte mit einer bitteren Schale um-geben hat. In dieser Riesenliteratur hat das ganze Volk seinenGedankenschatz und sein innerstes Wesen niedergelegt. Die Lehrendes Judenthums liegen da veredelt, verklärt, dem blödesten Augesichtbar, nur dem geringfügig scheinend, der ein erhabenes, über-wältigendes Weltwunder in den Dunstkreis alltäglicher Erscheinungherabzuziehen gewohnt ist. An dem Faden dieses Schriftthums müssendie aufeinanderfolgenden Thatsachen und Ereignisse anfgereiht werden,es giebt den pragmatischen Zusammenhang an und darf daher nichtso nebenher, als Anhang zur Hauptgeschichte, behandelt werden. DieErscheinung eines neuen, bedeutenden Schrifterzeugnisses galt da nichtals interessante Einzelheit, sondern wurde in diesem Kreise eine Th at,welche folgenreiche Nachwirkungen hatte. Die jüdische Literatur, unterSchmerzen und Todeszuckungen geboren, mannigfaltig wie die Länderihrer Entstehung, bunt wie die Trachten der Völker, unter denen sieerblühte, reich und vielgestaltig wie die Erinnerung tausendjährigerErfahrungen, trägt die unverkennbaren Spuren eines einzigen Er-zeugers, des Judenthums, an sich; ein einheitlicher Charakterzug istallen Gestalten aufgedrückt, und sie spiegeln in allen Flächen undKanten ihr Ideal ab, dessen Strahlen sie anfgefangen. Sie ist alsodas Grundcigenthum dieses Zeitraums, und man kann ihn daher mitFug und Recht nach seiner thätigen Seite hin, in seiner charakte-ristischen Eigenthümlichkeit den theoretisch-religiösen Zeitraumnennen, im Gegensatz zum zweiten nachexilischen, der vielmehr politisch-religiöser Natur war, und zum ersten vorexilischen Zeitraum, dervorherrschend einen politischen Charakter hatte.
So mannigfaltig und umfangreich auch diese Literatur ist, solassen sich doch drei Hauptrichtnngen, drei eigene Strömungen in der-selben unterscheiden, welche, wenn auch Zuflüsse aus andern Gebietenin sich ausnehmend, doch in ihrem Laufe nur unmerklich abgelenktwurden. Jede dieser Hauptrichtungen kann als Hauptwissenschaftangesehen werden, zu denen sich die übrigen als Nebenfächer ver-halten. Die vorherrschenden Thätigkeiten dieses langen Zeitraumswaren: zuerst das allmälige Anwachsen des Talmuds, dann diephilosophische Schriftauslegung und das selbstständige Philo-