Einleitung.
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feincrte Römerreich sich der ganze Schrecken der Barbarei entlud, biszur Zeit, wo aus dem harten Kiesel der Barbarei wiederum derFunke der Gesittung geschlagen wurde, alle diese Ereignisse undGeschehnisse hatte die jüdische Geschichte dieses Zeitraums mitcrlebt,miterlitten und thcilweise mitgemacht. Jeder Sturm in dem welt-geschichtlichen Umkreise hat auch das Jndenthum bis in sein Innerstestief bewegt, ohne es zu erschüttern. Die jüdische Geschichte dersiebzehn Jahrhunderte stellt die Weltgeschichte im Kleinen dar, wiedenn auch das jüdische Volk ein Universalvolk geworden ist, das, weilnirgends, darum überall zu Hause ist.
Was hat es verhindert, daß dieses ewig wandernde Volk, dieserwahre ewige Jude, nicht zum verthierten Landstreicher, nicht zurvagabnndirenden Zigeunerhorde gesunken ist? Die Antwort ergiebtsich von selbst. Das jüdische Volk führte in seinem achtzehnhundert-jährigen Wüstenleben die Bnndeslade mit sich, die ein ideales Strebenin sein Herz legte, und selbst den Schandfleck an seinem Kleide miteinem apostolischen Glanze verklärte. Der geächtete, vogelfreie, über dieganze Erde gehetzte Jude fühlte einen erhabenen, edlen Stolz in demGedanken, Träger und Dulder für eine Lehre zu sein, in welcher sichdie Ewigkeit abspiegelt, an welcher sich die Völker allmälig zurGottescrkenntniß und zur Gesittung heranbildeten, und von welcherdas Heil und die Erlösung der Welt ausgehen soll. Das hoheBewußtsein von seinem ruhmreichen Apostelamte erhielt den Leidendenaufrecht, ja stempelte die Leiden selbst zu einem Theile seinererhabenen Sendschaft. Ein solches Volk, dem seine Gegenwart nichts,seine Zukunft hingegen alles galt, das gleichsam von Hoffnung lebte,ist eben deswegen ewig wie die Hoffnung. Das Gesetz und die Hoff-nung auf cineu Messias waren zwei Schutz- und Trostesengel an derSeite der Gebeugten und bewahrten sie vor Verzweiflung, vor Ver-dumpfung und Selbstaufgeben. Das Gesetz für die Gegenwart, dieMessiashoffnung für die Zukunft, beide vermittelt durch die Forschungund der Dichtkunst überströmende Ergüsse, sie träufelten Balsam indi'e wunden Herzen des unglücklichsten Volkes. Weil die weite Weltfür das geknechtete Volk zu einem düstern, schmutzigen Kerker zusammen-schrumpstc, in dem es seinen Thatendrang nicht zu befriedigen vermochte,zogen sich die Begabteren dieses Volkes in die innere Gedankenweltzurück, und diese erweiterte sich in dem Verhältnisse, je enger dieSchranken der Außenwelt um deren zerfleischten Leib gezogen wurden.Und so tauchte die gewiß seltene Erscheinung auf, daß der.Verfolgteüberlegen wurde seinem Dränger, der Gepeinigte fast Mitleid hatte mitdem Peiniger, der Geknechtete sich freier fühlte als der Kerkermeister.
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