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Geschichte der Juden.
Kaiser und Papst, nach Pfefferkorns Ratschlag, den Talmud entschieden undkonsequent unterdrückt und, wie früher und später, zu Tausenden verbrennenlassen, so wären die Juden dabei allein beteiligt gewesen. Hätten sie imGegenteil den fanatischen und eigennützigen Eingriffen der Dominikaner in dieReligionsfreiheit der Juden von Anfang an und ernstlich Halt geboten, so wärevon dieser Affäre nicht viel die Rede gewesen. Eine öffentliche Meinung bildeteund verstärkte sich erst durch das Nachgeben des weltlichen und geistlichen Ober-hauptes bald gegen die eine nnd bald gegen die andere Partei.
Eine Unüberlegtheit des Kaisers zeigt sich auch in seinem Mandat, dieStreitsache tot zu machen (o. S. 126). Dieses Mandat ist im Juni 1513 er-lassen, und doch hat Hochstraten im September desselben Jahres den skandalösenProzeß gegen Rcuchlin eingeleitet, wodurch die Flamme der Zwietracht nurnoch mehr angcschürt wurde. Hat sich der Cölner Ketzermeister über des KaisersBefehl hiuweggesetzt? Nein! Denn Maximilian hat nur Reuchlin einerseitsund Pfefferkorn anderseits Stillschweigen geboten. Dadurch hielt sich Hoch-straten, dem der Kaiser nichts verwehrt hatte, berechtigt, die Anklage auf Ketzereizu betreiben. Reuchlin hat diese Lücke im Mandat erkannt und mit Recht be-fürchtet, daß die Dominikaner mit einer gewissen Berechtigung doch gegen ihnVorgehen würden. Deswegen schrieb er an Spalatin am 3l. August 1513:lilitto stiam Oassaris mauckatum, in quo ex omni xarts Inter nos xaeeinimperat et silsntium. ^.t quum soll ckuotorss belli expressis ineocksm vertue nominantur: Ukstksrleorn, ^.rnolckns et Rsuobliu, oro, utäiliASNter axnck ckueem (Zg.xouiae, l?rieckrieuw) . . . instss, sua ckomina-tione axuck irnxsrntvrsm super eo manckato cksolarutiousm impstrare,soilicst quick intentio Uajestatls suas tusrit stiam äs nälmersntibus etquibuslibst sua vsl ultsrius Interesse xntnntibns, qnnre boo mnnckntnmnon solum nä nominatos, ssä stinin nck univsrsos st sinKulos ncklinsrsn-tes tnntores . . . sxtsnäsnckum . . . Onssnren Nnjsstns vslit cksolnrstst ckscerunt . . . dlam ssmpsr nsseio, gnick iniunntur st pnrvi, et pravlboiniuss, quock nck eurinm Uomuuam eitnrs ms prassumunt (an Spalatin,Reuchlins Briefwechsel, sä. 1875, Nr. 170).
Über den Verlauf der Vorgänge von dem offen ausgcbrochenen Kriegezwischen Reuchlin und den Dominikanern, durch die Mainzer Jnquisitionsver-handlung und die Speyersche Sentenz bis zur Verhandlung in Rom, ist nichtsNeues zu bemerken. Nur die Abfassungszeit des Briefes Reuchlins an Bonetde Lates und die Entsteh uugsz eit der lllpistolas obsourorum virorum —welche ebenfalls einen Inzidenzfall bilden, indem sie wegen ihres antiklerikalenund sogar antichristlichen Tones der Dominikanerpartei im sogenannten heiligenKollegium Stimmen zugeführt haben, müssen noch erörtert werden.
Dieser bisher wenig beachtete Brief, worin Reuchlin mehr Gewandtheit imrabbinischen, als im klassisch-biblischen Stil zeigte, trägt kein Datum. Reuchlinteilt darin dem jüdischen Leibarzt des Papstes den ganzen Hergang des Handelsmit, von der Zeit an, als der Kaiser bestürmt wurde, die jüdischen Schriftenvernichten zu lassen, bis zum Zeitpunkt, als Pfefferkorn gegen ihn geschriebenund die Dominikaner ihn in Schriften verketzert haben. Er spricht darin aus,daß er an den Papst appelliert habe, aber befürchte, daß der Papst die Unter-suchung einer Kommission übertragen könnte, welche außerhalb seiner Diözeseihr Tribunal nnfschlagen würde, oder mit anderen Worten, daß die CölnerDominikaner über ihn zu Gericht sitzen würden. Er bittet daher mit Berufungans die Dienste, die er den Juden geleistet hat, Bonet de Lates, den Papst da-