nicht lange in einer Gemeinde aus, deren Mitglieder kaum richtighebräisch zu lesen verstanden, verließ sie daher, um in Konstantinopeleinem Lehrhause vorzustehen. Dort verfaßte er ein Geschichtswerkvon der Tempelzerstörung bis auf seine Zeit*), das er lieber denportugiesischen Halbchristen in die Hand hätte geben sollen. —Besser paßte für diese eigentümliche Gemeinde sein NachfolgerIsaakUsiel (starb 1620), der ebenfalls aus Afrika (Fez) herüber-gekommen war, wahrscheinlich ebenfalls einer Flüchtlingsfamilieangehörte und daher seine Schicksalsgenossen in Amsterdam gutkannte. Er war Dichter, Grammatiker und Mathematiker, abermehr, als dieses alles ein eindringlicher, das Gemüt ergreifenderPrediger, der es zuerst wagte, die durch katholische Gewohnheiteneingelullten Gewissen seiner Zuhörer mit gewaltiger Stimme auf-zurütteln, daß sie nicht glauben sollten, durch gedankenlos ausgeübtereligiöse Riten einen Freibrief, gewissermaßen einen Ablaß fürSünden, Torheiten und Modelaster erkauft zu haben. Isaak Usielschonte auch die Angesehensten und Mächtigen seiner Gemeinde nicht,zog sich aber dadurch ihren Haß zu, der bis zur Spaltung führte.Dafür hatte er auch hingebende Anhänger gefunden, die ihn inbegeisterten Versen besangen?)
Für die religiöse Sammlung und Kräftigung der religiös ver-wilderten portugiesischen Auswanderer war auf diese Weise gesorgt,aber noch nicht für die Bestattung ihrer Toten. Sie waren ge-zwungen, sie weitab von der Stadt nach Groede (in Nordholland)zu führen. Durch Bemühung der hervorragenden Gemeindeglieder,des Jakob Israel Belmonte, des dichterischen RohelIesurun (de Pina) und anderer, erlangten sie nicht gar zu weitvon Amsterdam in O u d e r k e r k (bei Muiderberg) einen Begräbnis-
0 Die Nachrichten über ihn hat de Barrios erhalten: Viäa äs IsliaüUnmel p. 42 und Irinmiüio äsl Kovisrno xoxnlar luäaz'oo Bl. 3 b. An derersten Stelle versifizierte er:
M sabio VsKa . . . ^ üaz' sn In rara 8zmaZ'vZ'a OriSAaOl Oibro äs ,2 anin (?) intitulaäo,
Os guanto ä 8U8 Osdrs 08 da xa88aäo,
Os8gns qus ä äö8bru1rlo8 Tito llsZ'a.
Das heißt eigentlich, was den Hebräern zustieß seit der Tempelzerstörungdurch Titus. Lammes, Iiwtoirs ä.S8 luitd (V. x. 2093) hat die Stelle miß-verstanden „bis znr Zerstörung des Tempels" und Wolf hat den Irrtum fort-gepflanzt (Lidliotü. III, x. 313). Über einen andern Juda Vega (n--o, falschbei Zunz und Fürst: Bigo), Berf. der Predigtsammlung wbn (Lublin 1616),vergl. Conforte x. 40.
") Hauptquelle über ihn de Barrios: Viäa äs I. Ourns! Dort ist an-gegeben, daß er 1607 von Fez nach Amsterdam gekommen ist. Gedruckt istvon ihm eine kurze hebr. Grammatik iw'b 1627.