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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Tie Marranen in den Niederlanden.

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Tie Marranen gaben aber nichtsdestoweniger den Gedankennicht auf, in den bereits von: spanischen Joche befreiten Probinzender Niederlande eine sichere Stätte zu suchen. Mit mächtigen Bandenfühlten sie sich zu dieser Bürgerrepublik hingezogen, sie teilten mitihr den glühenden Haß gegen das nach Menschenopfern lechzendeSpanien und seinen König Philipp H. Der große StatthalterWilhelm von Oranien, die Seele des niederländischen Un-abhängigkeitskampfes, hatte den Gedanken gegenseitiger Duldungund freundlichen Zusammenlebens verschiedener Religionsparteien,Bekenntnisse und Sekten ausgesprochen. Wenn auch dieser ersteKeim echter Humanität anfangs zu Boden fiel, so knüpften dieMarranen doch daran die Hoffnung auf eine Erlösung aus ihrertäglichen Pein. Eine beherzte marranische Frau MayorRodrigues scheint den Plan befördert zu haben, ein Asyl zu-nächst für ihre Familie in Holland zu suchen. Sie, ihr Gatte,Gaspar Lopes Homem, ihre zwei Söhne und Töchter,sowie mehrere Glieder dieser reichen und geachteten Familie warendem Judentum noch immer zugetan und der Heuchelei müde, christ-liche Bräuche mitmachen und ein Glaubensbekenntnis hersagen zumüssen, die ihnen in tiefster Seele verhaßt waren und sie dochnicht vor den Schrecknissen der Inquisition zu schützen vermochten.Als ein Schiff mit auswandernden Marranen unter Leitung einesMannes, namens Jakob Tiradoi), von Portugal aus werweiß unter welchen Vorsichtsmaßregeln absegelte, scheint MayorRodrigues ihre liebreizend schöne Tochter Maria Nunes undihren Sohn Manuel unter dem Schutze ihres SchwagersLopez Homem dem Fahrzeug anvertraut zu haben. DieMutter scheint auf den Zauber ihrer Tochter gerechnet zu haben;die außerordentliche Schönheit der Maria Nunes sollte den vonGefahren umringten Auswanderern als Schild dienen und ihnen inHolland ein Asyl eröffnen. In der Tat gelang es ihrer Schönheit,die erste Gefahr, welche den marranischen Flüchtlingen zugestoßenwar, abzuwenden. Sie wurden nämlich von einem englischenSchiffe, welches Jagd auf die spanisch-portugiesische Flagge machte,gekapert und nach England geführt, und Maria Nunes hatte denKapitän, einen englischen Herzog, so sehr bezaubert, daß er ihr, inder Meinung, sie gehöre dem portugiesischen Grandenkreise an, dieHand bot. Sie schlug aber den ehrenvollen Antrag aus, weil sieals Jüdin leben wollte. Tie Schönheit der in Gefangenschaft ge-ratenen Portugiesin machte indes so viel von sich in London reden,daß die jungfräuliche, männliche Königin Elisabeth selbst neu-gierig wurde, die so sehr gefeierte und für die Liebe eines Herzogs') S. Note m.