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Geschichte der Juden.
erobert worden oder nicht? Darüber entstand auf der Börse inRom ein hitziger Wortwechsel zwischen einem christlichen KaufmannPietro Secchi, der gewisse Nachricht über den Fall St.Domingoserhalten haben wollte, und einem jüdischen Sansone Ceneda,welcher es in Abrede stellte und im Eifer des Streits eine Wetteeinging, ein Pfund Fleisch aus seinem Leibe schneiden zu lassen,wenn er verlieren sollte. Der christliche Kaufmann gewann dieWette und bestand auf dem verpfändeten Pfund Fleisch des Juden.Als Sixtus von dieser Wette vernahm, lud er beide vor sich,sprach dem Gewinner sein Recht zu, aber mit der Drohung, seinLeben zu verwirken, wenn er ein Drachme mehr ausschneidensollte. Er verurteilte aber beide zum Tode, den Christen, weil erden Tod des Juden geplant hatte, und diesen, weil er seinen Leib,der dem Souverän gehört, verwettet hatte. Erst durch Vermittlungeines Kardinals begnadigte sie der Papst zuerst zur' Galeere unddann zu einer Geldstrafe von je 2000 Skudi?) Der christlicheShylock ist noch gelinde genug davongekommen.
Es scheint, daß im Kardinalskollegium kurz nach Sixtus' Todeseine Behandlung der Juden maßgebend geblieben ist. DennGregorXIV.,obwohl ein Fanatiker, gestattete trotz des kanonischen Verbotes gleich-gesinnter Vorgänger dem halbnärrischen jüdischen Arzte und lang-weiligen Schriftsteller Abraham ben David Portaleone(geb. 1542 in Mantua, gest. 1612) 2), die ärztliche Praxis für Christen(August 1591). Dieser Papst brachte aber die Zeit seines Pontifikatsgrößtenteils auf dem Siechenbette zu, es ist also eher anzunehmen,daß diese Nachsicht von sixtinisch gesinnten Kardinälen ausgegangenwar. — Mit Clemens VIII. dagegen (1592—1605) kehrte dasunduldsame System Pauls IV., Pius' V. und Gregors XIII. inBehandlung der Juden wieder. Gleich im Beginne seiner Priester-herrschaft führte er wieder die drückendsten Beschränkungen gegendie Juden des Kirchenstaats Venaissin ein, daß sie ja nur mit altenKleidern Handel treiben sollten, mit einem leisen Tadel gegenSixtus V., daß sie durch Lässigkeit nicht beachtet worden wären(Febr. 1592)?) In Carpentras und andern Städten dieses päpst-
*) I-Sti zum Jahre 1587 in den Ausgaben vom Jahre 1593 und folgen-denden, karts terra, lidro II x. 135. In den älteren Ausgaben fehlt dieseErzählung, weil I-sti sie erst später zur Charakteristik dieses Papstes nach-getragen hat.
2) Vergl. über ihn die hebr. Bibliographie und Wolfs Aktenstücke in MaskirI. x. 18.
Revue ä. Lt. X, 180 fg. Aus ein dringliches Gesuch der Bürgerschaftvon Ferrara gestattete er ausnahmsweise dem ihm als geschickt geschilderten jüd.Arzte Mose Alatino (wahrscheinlich Sohn des Vital Alatino) und seinem SohneBonajudo christliche Patienten zu behandeln, Juli 1592. Rsvus XIX, 134f.