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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

ermüdliche Vorkämpfer, der den Gegner nicht bloß entwaffnete,sondern ihn auch in seine Reihen herüberzog, hatte mit seinengroßartigen Zielen und weiten Plänen bereits viel verlorenen Bodenzurückerobert und neue Lagen geschaffen, das Eingebüßte mit dop-peltem Zins zurückzugewinnen. Italien, ein großer Teil Süd-deutschlands und der österreichischen Länder, Frankreich nach langenZuckungen und Bürgerkriegen nach der blutigen Bartholomäusnachtund dem Morde zweier Könige und größtenteils auch Polen undLitauen waren wieder katholisch geworden und zwar fanatisch katho-lisch wie Spanien und Portugal, die lodernden Höllen der Inquisition.In dem lutherischen und reformierten Deutschland, England undSkandinavien war ein anderes Papsttum zur Herrschaft gelangt,das Papsttum der trockenen Glaubensformel, die Knechtschaft desBuchstabens. Das byzantinische Gezänk um schattenhafte Dogmenund begriffsleere Wörter spaltete die evangelischen Gemeinden inebenso viele Sekten und Untersekten, als es Mittelpunkte gab, undwirkte lähmend auf die politische Neugestaltung. Der Eifer derdeutschen Fürsten für die Reformation war, nachdem sie die geist-lichen Güter an sich gerissen hatten, bedeutend erkaltet, und sietraten teilweise zum Katholizismus über oder ließen ihre Söhnein ihm erziehen. Die klassische Philologie, welche so befreiend undbefruchtend im Anfänge gewirkt hatte, war durch die strenge Bibel-gläubigkeit von der einen und die Autoritätgläubigkeit von derandern Seite vernachlässigt und zur spielenden Schönschreiberei oderzu gelehrtem Kram herabgesunken. Das Studium der hebräischenSprache, welches zuerst zündend gewirkt hatte, lag ebenfalls dar-nieder oder wurde nur oberflächlich für kirchliches Gezänk getrieben.Die Kenntnis der hebräischen Sprache galt in stockkatholischen Kreisennoch immer oder damals erst recht als Ketzerei. Und nun gar erstdie rabbinische Literatur! Ms der gelehrte spanische TheologeArias Montano die erste vollständige Polyglottenbibel aufKosten Philipps II. in Antwerpen herausgegeben, zugleich einehebräische und verwandtsprachliche Grammatik nebst Wörterbücherndazu ausgearbeitet und auch auf ältere jüdische Schriftausleger Rück-sicht genommen hatte, wurde er, der Liebling des Königs Philipp,er, der selbst einen Index ketzerischer Bücher angelegt hatte, vonden Jesuiten und der Inquisition der Hinneigung zur Ketzerei unddes heimlichen Judaisierens angeklagt und als Rabbiner ver-lästert. Wenn sich nicht der König und der Papst seiner kräftigangenommen hätten, wäre er der Inquisition verfallen. Allerdingshaben dabei persönliche Gehässigkeit und Neid seiner Gegner eineRolle gespielt. Aber einen großen Anteil an Montanos Verfolgunghatte das dunkle Gefühl, daß die Verallgemeinerung der hebräischen