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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Juden, sie auszurotten?) Hin und wieder gelang es auch denJudenfeinden, den wankelmütigen König zu bewegen, die den Judenerteilten Privilegien zu brechen, ihnen Beschränkungen aufzulegenund sie dem Brotneid der deutschen Zünftler preiszugeben. Erverbot ihnen auch einmal, goldene Ketten und kostbare Edelsteinean Gürteln und Schwertern zu tragen?) Er war aber aus Rück-sicht auf den jüdischen Herzog von Naxos^) genötigt, den er seinenlieben Freund nannte, ihnen ein freundliches Gesicht zu zeigen undihre Privilegien mehr Zu achten oder neue auszustellen. DerPosener Gemeinde, welche am meisten von den deutschen Zünftlernund Beamten geplagt wurde, erteilte er kurz vor seinem Todeeinen sehr günstigen Schutzbrief?) Aber selbst die Beschränkungenhatten nur Folgen, wenn die Palatine und Woiwoden damiteinverstanden waren; diese Adligen waren aber meistens auf Seitender Juden. Daher fand denn auch der Nuntius Cvmmendoni.klüger und ruhiger als sein Vorgänger Lipomano, zu seinem Er-staunen die Inden in Polen, wenigstens in der Provinz Reußen(Lembergischen), nicht so schmählich behandelt wie in Italien undDeutschland. Im Gegenteil, statt der Abzeichen trugen sie Waffenund Ritterschmuck, und statt der Zurücksetzung verkehrten sie mitallen Christen auf dem Fuße der Gleichheit?) Den Ohrenbläsereiender fanatisch-kirchlichen Partei am Hofe wirkten die jüdischen Leib-ärzte entgegen. Salomo Aschkenasi aus Udine stand demKönige Sigismund August eine Zeitlang als Hofarzt nahe, ehe er inder Türkei eine so weitgreifende diplomatische Rolle spielte. S i in o nGünzburg (geb. um 1507, gest. 1586)°) hatte eine Zeitlang dasOhr desselben Königs. Er war reich, gelehrt, angesehen, wohltätigund bescheiden, Vorsteher der Posener Gemeinde, von dessen Lobdie Zeitgenossen überströmten. Simon Günzburg und andere Günst-linge des Hofkreises oder des Adels konnten drohende Wolken, ehesie sich noch verdichtet hatten, zerstreuen.

Nach dem Tode dieses Königs (1572) kam das Wahlkönigtumden Juden Polens recht zu statten. Denn jeder neugewählte Königbrauchte vor allem Geld, und dieses konnten nur Juden herbei-schaffen oder er brauchte eine Partei unter den Adligen, und

si (lracbi a. a. O. p. 88. Sternberg 144.

h Das. p. 89-91. h Siehe Note 5, Ende. h Bei Perlcs 24.

ch Siehe oben S. 58, Anm. 2.

°) Über diesen Simon, David Gans 2smacb David I zum I. 5346. Oaekidas. p. 93 Note ü zitiert einen handschriftlichen Brief Commendonis, worin vondem bedeutenden Gewichte eines jüdischen Arztes beim König und dem Adel dieRede ist und er glaubte, er spielte auf 82^ monier Oint^bnrAa, pr^slorouz'mko-mansüim (Posener Vorsteher) an. Er soll gar Feldmesser und Architekt ge-wesen sein. Bei Sternberg 148.