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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

die witzelnde Art nur noch widriger wurde. Die verwilderte Sprache,welche alle Formen verachtete, konnte nur noch von einheimischenJuden verstanden werden. Mit der Sprache büßten die JudenPolens das Wesen ein, was den Menschen erst zum Menschenmacht, und setzten sich selbst dem Gespötts und der Verachtung dernichtjüdischen Kreise aus. War die Bibel schon durch den Gangder Entwicklung seit der Maimunischen Zeit nach und nach in denHintergrund getreten, so schwand ihre Kenntnis in Polen ganz undgar. Wenn man sich mit ihr befaßte, so geschah es auch nur, umWitz oder Aberwitz darin zu finden.

Tie Umstände lagen damals derart, daß die Juden Polensgewissermaßen einen eigenen Staat im Staate bilden konnten.Freilich hatte es die kirchlich-reaktionäre katholische Partei, welcheunter dem eifervollen Papste Caraffa Paul IV. den Petrusstuhlbeherrschte, auch auf die Verfolgung oder wenigstens Knechtungder Juden Polens abgesehen. Der päpstliche Nuntius AloisLipomano, der in das slavische Königreich gesandt worden war,um das Umsichgreifen der Reformation zu hemmen, begann seineHenkerrolle sofort mit den Juden. Den Dominikanern hatte er esabgesehen, wie man durch erlogene Anschuldigungen die Masse derBevölkerung fanatisieren könne. Lipomano veranstaltete auch inPolen eine Hostienszene. Ein Mädchen mußte aussageu, daß Judenvon Sochaczew (Kreis Rawa in Masovien) eine geweihte Oblatevon ihm gekauft, geschändet und zum Wundertun gebracht hätten.Darauf wurden drei Juden von dem für den Plan gewonnenenPalatin Barkow gefesselt, und der Kanzler Przemberz,Bischof von Chelm, hatte den Auftrag, den König Sigismund Augustzu fanatisieren, daß er den Befehl zur Hinrichtung der Gefesseltenerteilen möge. Indessen hatte der Mundschenk Mischkow, ein Pro-testant, dem Könige die Überzeugung von der Erlogenheit derHostienschändung beigebracht, und Sigismund August war einsichts-voll genug, zu erklären, daß er an eine solche abgeschmackte Fabelnicht glaube. Er erteilte dem Starosten von Sochaczew den Befehl,die angeschuldigten Juden in Freiheit zu setzen. Die Gemeinde vonSochaczew hatte auch unter Tränen die Nichtigkeit der Anklagebeteuert. Allein der gewissenlose Bischof von Chelm übergab demBoten, welcher den drei Juden die Freiheit verkünden sollte, eingefälschtes Schreiben vom Könige aus Wilna mit, daß sie wegenihres Gottesmordes hingerichtet werden sollten. Und so wurden sieverbrannt (1558). Lipomano, der diese Intrige geleitet hatte,wollte damit Schrecken einflößen. Er hatte sich aber verrechnet.Der König Sigismund August war über diese Untat unter Mißbrauchseines Namens entrüstet und verhehlte keineswegs seinen Unwillen