Vital Calabrese.
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geberdete sich Chajim Vital Calabrese sehr anmaßend, drängte sichüberall vor und, wie es scheint, beherrschte er sogar seinen Meister.*)Lurja ging zuletzt damit um, die meisten seiner Jünger von sich zuweisen und nur drei oder vier von ihnen zu behalten, als ihn derTod durch eine ausgebrochene Pest (5 Ab — August 1572) ereilte.?)Während seiner fünftägigen Krankheit jammerten seine treuen Jüngerüber den ihnen und der Weltorduung drohenden Verlust und fragtenihn, was denn aus seinen Verheißungen werden würde? Er habeihnen darauf die Trostworte zugesprochen, so erzählten sie, er werdewieder zu ihnen kommen im Traum und im wachen Zustande,vielleicht gar sichtbarlich und handgreiflich.?) Glaublicher klingt) daßLurja geäußert habe, er verzeihe seinen Geschäftsfreunden, wennsie ihn betrogen hätten, und wenn er sie übervorteilt haben sollte,wollte er ihnen vor seinem Tode alles ersetzen.^)
Der unerwartet eingetretene Tod des achtnnddreißigjährigenMystikers hat noch mehr zu seiner Verherrlichung beigetragen. SolcheNaturen pflegt erst der Tod zu verklären, und ihre Verehrung steigtim Verhältnis der zunehmenden Jahre vielfältig. Mit morgen-ländischer Übertreibung betrachteten ihn seine Jünger noch mehrdenn als einen Wundermann; sie nannten ihn den „Heiligen undGöttlichen" und suchten zu ihrem eigenen Ruhme für ihn und seineschwärmerische Träumerei Anhänger zu werben. Sie versicherten,daß, wenn Lurja nur noch fünf Jahre hätte leben können, er dieWelt so gründlich gebessert haben würde, daß die messianische Zeitunfehlbar eingetreten wäre. Abraham Abnlafia, der aus sich herauskabbalistischen Wirrwarr gesponnen hatte, wurde verketzert und ver-folgt. Isaak Lurja, der dasselbe auf Grund des Sohar getan hatte,wurde fast vergöttert.
Nach Isaak Lurjas Tode trat Vital Calabrese in den Vorder-grund; er maßte sich sofort eine Art Meisterschaft über seine Mit-jünger an, gab vor, Lurja habe ihn in den letzten Stunden zuseinem Nachfolger ernannt, und entzog ihnen, einer angeblich letzt-willigen Anordnung zur Folge, die schriftlichen Aufzeichnungen, diesie von Lurja in Händen hatten. Er allein wollte im Besitz derneuen Geheimlehre bleibench, vorgebend, daß, wenn die Jünger dieneuen Offenbarungen veröffentlichen würden, dadurch nur Ketzereiund Gefährdung des Seelenheils entstehen könnte. Vital Calabresegab noch zu verstehen, daß er der Messias vom Stamme Josephsei. Indessen kehrten sich einige Jünger nicht daran und lehrten
*) Vital, Selbstbiographie x. 22 b, 18 a; Schlomels Sendschreiben a. a. O.p. 48 a. ?) Vital das. 23 b.
?) Das. 20 a. *) S. Note 9.
?) Vital, das. x. 20 a, 22 b, Schloinel das. 48 a und öfter.
Graetz, Geschichte der Juden. IX.
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