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Geschichte der Juden.
Papste wie den Marranen lag zuletzt, als sie einsahen, daß die einmalins Leben gerufene Inquisition ihre fluchwürdige Tätigkeit uicht ein-stellte, viel daran, zwei Zugeständnisse wenigstens zu erzielen, daßden Neuchristen das Auswandern aus Portugal unverwehrt bleibenund daß den bereits Angeklagten und Eingesperrten eine allgemeineAbsolution (?sräg,ö) erteilt werden sollte, wenn sie ihr judaisierendesBekenntnis eingestehen und versprechen wollten, für die Zukunft guteChristen bleiben zu wollen. Aber gerade in diesen Punkten wolltender König und die Dominikaner nicht nachgeben.
Paul III. war gelähmt. So sehr er auch einen Schauder vor denGrausamkeiten der portugiesischen Inquisition empfand und so sehr erauch die bedeutenden Summen brauchte, welche die Marranenihm spendeten, um seine Politik in Italien und seinen Krieg gegen dieProtestanten durchsetzen zu können, so durfte er doch nicht allzu schroffgegen den Hof von Lissabon auftreten. Er lag selbst in den Banden derkatholischen Fanatiker. Loyola und Caraffa waren die Herrenin Rom, der Papst nur ihr Diener. Zudem sollte das tridentinischeKonzil zustande kommen, um die Glaubensnorm festzustellen, wodurchdie Protestanten gedemütigt und zur Ohnmacht gebracht werdensollten. Dazu brauchte Paul III. fanatisch eifrige Mitglieder, um denLauen die Stange zu halten. Solche Konzilsmitglieder konnte nurSpanien und Portugal stellen. In Portugal fanden die Jesuitendie freundlichste Aufnahme. So war denn der Papst gezwungen,milde gegen den portugiesischen Hof aufzutreten und sich aufs Bittenzu verlegen, wo er hätte befehlen sollen.
Anderseits konnte auch der König seinen Willen nicht durch-setzen. So lange der Papst die Inquisition nicht als vollberechtigt an-erkannt hatte, konnte er sie ganz und gar aufheben und die Anklagenwegen Judaisierens vor den apostolischen Stuhl berufen. Joäo III.wußte auch, daß einige Kardinäle ihren Unwillen über die Untatendes Glaubensgerichtes laut ausgesprochen hatten. „Was wollen dieInquisitoren? Wollen sie Menschenfleisch?"^) sprachen sie offen.Auch fürchtete er, daß der Papst die Jnquisitionsfrage dem Konzil vor-legen und daß dieses ein Berdammungsurteil darüber sprechen würde.Darum entschloß er sich zu einem Schritte, den er seinem Hochmut ab-ringen mußte. Er berief vier angesehene Marranen^) und trug ihnenauf, eine Denkschrift auszuarbeiten, um ihre Meinung über die Mittelanzugeben, wie die Beruhigung der Gemüter herbeigeführt werdenkönne. Diese vier Personen sprachen mit Freimut, so lange nichteine allgemeine Absolution erteilt und so lange anonyme Zeugnisseund Aussagen von niedrigem Gesindel und unter der Tortur oder sonst-
') Herculano III 263.
2) Das. 265 f.