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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Duarte de Paz.

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chos zu rächen. Israel niedergeworfen und verbannt, fünf Schiffevon den Zehnstämmeu werden es erheben zu seiner Herrlichkeit, umzu retten die Heiligkeit seines Ebenbildes. Salvmvs (Molcho) Gestaltwird der Feind erblicken. Diese Geheimnisse sind für Israel, Heilhat Gott verkündet, Heilung für Israel." Es war ein wenig Sinn indiesem Unsinn.

Der Kabbalist aus Arli war auf den Papst Clemens nichtgut zu sprechen; aber mit Unrecht, denn dieser hatte gewiß anMolchos Tod keine Schuld, im Gegenteil, es war nur ein Schach-zug des Kaisers, von den beiden Günstlingen des Papstes deneineil hinrichten und den andern einkerkern zu lassen. Clemensscheint aber eineil Gegenzug gemacht zu haben. Er arbeitete daran,jene so verhängnisvolle Bulle nach jahrelangem Widerstand zurEinführung der Inquisition in Portugal bewilligt zu widerrufeiloder wenigstens ihre Wirkung zu mildern. Die Marranen wußtendas und machten alle Anstrengungen, die päpstliche Kurie für sich zugewinnen. Sobald sie einsahen, daß auf Salomo Molcho, ihren wirk-samsten Verteidiger, nicht mehr zu rechnen war, hatten sie einen andernnach Rom abgesandt, der ihre Klagen vor den Papst bringen undihre Sache vertreten sollte. Dieser neue Sachwalter der Marrauen,Duarte de Paz, war völlig entgegengesetzter Natur als Molcho,ein nüchterner Kopf, fern von jeder Schwärmerei, schlau, berechnend,beredt und kühn, eingeweiht in alle Schliche damaliger Diplomaten-künste, ein tiefer Menschenkenner, der die menschliche Schwäche zunutzen verstand. Duarte de Paz, welcher fast acht Jahre die An-gelegenheiten der portugiesischen Neuchristen in Rom leitete, war selbstvon marranischer Abstämmling und hatte durch Dienste, die er inAfrika dem portugiesischeil Hof geleistet wobei er ein Auge ver-loren hatte eine angesehene Stellung und das Vertrauen desKönigs Joäo III. erlangt. Voll diesem zu einer geheimen Sendungauserwählt, und dafür im voraus am Tage der Abreise mit demGrade eines Ritters des Christusordens beehrt (auch Com m e n -datore betitelt), begab er sich nicht nach dem ihm angewiesenenPlatze, sondern nach Rom, um für die Marranen zu arbeiten. Duartede Paz hat aber die Fäden seiner Intrigen so sehr verschlungen, daßman nicht mehr genau ermitteln kann, ob er den König oder dle Mar-ranen binters Licht geführt hat.H An Geld ließen es seine Klienten,

') Herculano, die beste Quelle für die Einführung der Inquisition in Portugal,welche durch die Notizen von Aboab (in dessen dloinolozia), von G. Heineund von Kunst inan» (Münchner Gelehrte Anzeigen i845) bereichert und ergänztwerden kann, hat zuerst das Jntrigensviel des Duarte de Paz aus einer ge-heimen Korrespondenz ans Licht gezogen (I x. 26t> f. n. a. a. O.). Aber Herculanotut ihm wahrscheinlich Unrecht, wenn er ihn als Verräter an seinen Stammes-