Reise Reubeins und Molchos nach Regeusburg. 289
wegen ihre Fluchtversuche nicht ein, sondern betrieben sie nur mitnoch größerer Vorsicht. Es blieb ihnen kein anderer Allsweg; ihrAnrufen der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit und ihrer verbrieftenPrivilegien fand nur taube Ohren beim Kabinet.
Die nach Rom entkommenen Marranen führteil daher beimPapst Clemens bittre Klagen über die Unmenschlichkeit, mit der dieInquisition sie und ihre Brüder verfolgte, und machten auch geltend,daß die Bulle, welche er erlassen, vom König lediglich erschlichensei, da dem päpstlichen Konsistorium der Tatbestand nicht im richtigenLichte bekannt gewesen sei. Sie beklagten sich ganz besonders darüber,daß ihnen trotz der ihnen zugestandenen Gesetzesgleichheit das Aus-wandern untersagt sei. Clemens VII., der ohnehin Reue darüberempfand, die Bulle erlassen zu haben, wozu er. gewissermaßen gedrängtworden war, ging auf die Beschwerde ein. Er mochte auch fühlen,wie die katholische Kirche durch die Scheiterhaufen der Inquisition,angewendet auch auf solche, die nicht dazu gehören wollten, gebrand-markt wurde, was den Lutheranern noch mehr Stoff gab, ihre feind-seligen Angriffe auf dieselbe fortzusetzen, sie als blutdürstig zu schildernund verhaßt zu machen. Außerdem wußte er recht wohl, daß dieInquisition in Portugal nur auf Betrieb Spaniens und seines Erz-feindes, des Kaisers Karl, eingeführt war, um dadurch die AbhängigkeitPortugals von demselben noch fester zu begründen. Clemens gingdaher mit dem Plane um, die Bulle zu widerrufen. In dieser Zeitnahmen Salomo Molcho und Reubeni — der in Venedig einen Winkerhalten hatte, es zu verlassen — ihre mystische Tätigkeit wieder aufund faßten den abenteuerlichen Plan, sich zum Kaiser nach Regens-burg zu begeben, wo damals der Reichstag versammelt war. WelchenZweck wollten der Schwärmer und der Abenteurer damit verfolgen?Ob im Interesse der Marranen, oder richtiger, den Kaiser zu be-wegen, mit Hilfe der Marranen in Spanien und Portugal und mitdem Heere des angeblich jüdischen Königs in Arabien die Türkei zubekriegen? Mit einer fliegenden FahneZ) worin die BuchstabenLlaobbl (Anfangsbuchstaben des Verses: „Wer ist unter den Mäch-tigen Dir gleich, Herr"), reisten beide von Bologna nach Regens-burg, dem Aufenthaltsorte des Kaisers. Hier trafen sie mit Joselinvon Roßheim zusammen, dessen rastlose Tätigkeit zur Abwendungneuer Übel von seinen Glaubensgenossen ihn nötigte, das Hoflager
h Dem Schriftzng in seinem Namen gab Molcho in der Verlängerungdes ", nach oben die Figur einer geteilten Fahne. Revns ct. Lt. s. XVI 32 f.In der Beschreibung zur Übergabe seines Sendschreibens an Abraham Treuesin Ferrara, in welchem dieser Namenszug vorkommt, bemerkte er: po>n-i.n .-a
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