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Geschichte der Juden.
Sendboten des David Reubeni ans, von dessen guter Aufnahme ampäpstlichen und portugiesischen Hofe auch im Morgenlande Gerüchteim Umlauf waren und die Köpfe erhitzt hatten. In Salonichi nahmihn der kabbalistische Kreis des I o s e p h T a y t a s a k (o. S. 33) inBeschlag und lauschte ans seine Träume und Gesichte. In Adrianopelbekehrte Pires-Mvlcho den nüchternen, aus Spanien als Knabe aus-gewanderten Joseph Karo, der sich bis dahin lediglich mit An-häufung von talmudischer Gelehrsamkeit beschäftigt hatte, zur KabbalaU)Schwärmerei ist ansteckend. Karo verfiel auch seinerseits in kabba-listische Schwärmerei gleich Molcho, hatte auch seinen Tranmsouffleur(NLAZick), der ihm geschmacklose mystische Schriftdeutungen offenbarteund die Zukunft enthüllte. Sein Kopieren ging so weit, daß er gleichMolcho in sicherster Erwartung lebte, er werde auf einem Scheiter-haufen als ein „dem Herrn angenehmes Ganzopfer" verbrannt werden.Molcho steckte seine Anhänger mit der Sucht nach dem Märtyrertuman. Er hielt sich auch eine Zeitlang in Palästina und namentlich inSafet auf, das, wie schon erwähnt, ganz besonders ein Kabbalisten-nest war. Molchos einnehmende Persönlichkeit, seine reine Begeiste-rung, sein romantisches Wesen, seine Vergangenheit, seine über-raschende Kenntnis der Kabbala, obwohl als Christ geboren, allesan ihm erweckte ihm eine Schar von Anhängern, die seinen mystischenÄußerungen lauschten und sie gläubig Hinnahmen. Er Pflegte oft zupredigen, und die Worte flössen ihm sprudelnd über die Lippen. Er-graute Männer wandten sich mit Fragen an den Jüngling, bald ihnendunkele Schriftverse zu deuten, bald die Zukunft zu offenbaren. Aufdas Drängen seiner Freunde in Salonichi veröffentlichte er einenkurzen Auszug seiner kabbalistischen Predigten, 2 ) deren Hauptinhaltwar, die messianische Zeit werde bald, mit dem Ende des Jahres5300 der Welt (1540) anbrechen. Die Plünderung und VerheerungRoms (5. Mai 1527) bestärkte die kabbalistischen Schwärmer in ihrenmessianischen Hoffnungen. Das mit der Beute der ganzen Erde ge-füllte Rom, das sündenvolle katholische Babel, war von deutschen,meistens lutherischen Landsknechten im Sturm erobert und gewisser-maßen auf Befehl des katholischen Kaisers Karl V. wie eine feindlicheStadt behandelt worden. Der Papst und die katholische Kirche wurdenvon der rohen Soldateska verhöhnt und Luthers Name in der Haupt-stadt des Katholizismus mit Jubel genannt, während Clemens VII.in der Engelsburg belagert wurde. Der Fall Roms sollte nach messi-nisch-apokalyptischer Annahme als ein Vorzeichen zum Erscheinen desMessias eintreffen. Nun war Rom gefallen. In Asien, der Türkei,
>) Vergl. dieselbe Rote.
2 ) ni!vii oder iniLvn iss, gedruckt Salonichi 1529.