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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Inquisition gegen die Marranen.

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Marrnnen nicht in den Dominikanerorden von Avila als Möncheausgenommen werden sollten, weil er ihnen mißtraute?) Sie er-duldeten ohne Redeschwulst ein wahres Höllenleben. Der größte Teilvon ihnen konnte bei aller Selbstüberwindung keine Zuneigungzum Christentum fassen. Wie konnten sie auch ein Bekenntnisliebgewinnen, dessen Träger täglich Menschenopfer verlangten, unddiese unter den nichtigsten Vorwänden unter den Scheinchristen aus-suchten? Unter dem zweiten spanischen Großinquisitor Deza warenfast noch größere Grausamkeiten vorgekommen, als unter dein ersten,Torquemada. Er und seine Werkzeuge, ganz besonders DiegoRvdriguez Lucero, ein frommer Henker in Cordova, hattenso viele Schändlichkeiten begangen, daß ein von sittlicher Entrüstungerfüllter Zeitgenosse die Inquisition drei Jahrzehnte nach ihrer Ent-stehung mit den grellsten Farben schilderte.Der Erzbischof von Se-villa (Deza), Lncero und Inan de la Fuente habenalle diese Provinzen entehrt. Ihre Leute achten weder Gott, noch dieGerechtigkeit, töten, stehlen und schänden Weiber und Mädchen zurSchmach der Religion. Die Schäden und das Unglück, welche dieschlechten Diener der Inquisition in meinem Lande verursacht haben,sind so groß und so vielfach, daß jeder darüber betrübt sein muß".Lucerv (der Lichtvolle), von seinen Zeitgenossen wegen seines finsternTuns Tenebrer o (der Finstere) genannt, hat die Schlachtopferzu Tausenden gehäuft; er war unersättlich nach jüdischem Märtyrer-blut.Gebt mir Juden zum Verbrennen", soll er immer gerufenhaben. Sein Fanatismus war in kannibalische Raserei nmgeschlagen.

Jede Anzeige eines Marraneu, daß er jüdische Riten be-obachtet, galt Lucero als begründeter Verdacht, und jeder Verdachtals erwiesene Schuld, die auf dein Scheiterhaufen gebüßt werdenmüßte. Unter den von Lucero eingezogenen Marranen ersannen einigeaus Verzweiflung oder Rachegefühl oder aus List ein Anklageverfahren,welches recht viele vvn altchristlichem Blute und hohem Stande alsMitschuldige verwickeln sollte. Sie gestanden das ihnen zur Last ge-legte Verbrechen ein und gaben an, daß in Cordova, Granada undanderen südspanischen Städten von Marranen Häuser als Synagogenbenutzt würden, zu denen der und der, die und die, sogar Nonnenund Mönche und harmlose Mädchen von spanischem Vollblute zuwallfahren pflegten, um die jüdischen Feste mitzufeiern und jüdischePrediger anzuhören. Diese Anklage schien ganz unglaublich, ganz un-wahrscheinlich. Wohlerzogene christliche Mädchen, die selten die Schwelleihres Hauses zu überschreiten pflegten, sollten meilenweit gewandertsein, um unter Todesgefahr dem Gottesdienste in einer versteckten,

>) Loletän 1887, 129, Lsvns ä. litt. XVIIl 137 L. VIII S. 106.