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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

1511) und fugte hinzu, die Cötuer würeu noch nicht über das Ver-fahren gegen ihn einig. Einige hätten geraten, die ketzerische Schriftbloß zu verbrennen, andere strenger, den Verfasser vor das Ketzer-gericht zum Verhör zu laden, noch andere endlich hätten andere Mittelvorgeschlagen.r) Dieses Schreiben, das ein Schreckmittel war, tat seinevolle Wirkung; Reuchlin geriet in außerordentliche Angst. Man darfes ihm nicht als Kleinmut und Feigheit auslegen. Es war keine Kleinig-keit, damals mit den Dominikanern, welche mehr Großmacht warenals selbst der Kaiser und der Papst, anzubinden. Ter PapstAlexander VI., der vor keiner Untat znrückschreckte und über Gift, Dolchund andere Todeswerkzenge verfügen konnte, hatte eine wahre Angstvor dem Dominikanerorden. Er Pflegte zu sagen, er würde es eherwagen, einen der mächtigen Könige zu reizen, als einen der Bettelmönche,welche unter dein Schein der Niedrigkeit eine wahre Tyrannei in derChristenheit üben.^)Wenn ihnen etwas nicht recht ist," schildertder ebenso geistreiche, wie mutvolle Ulrich von Hutten die Finsterlingedieser Zeit,so legen sie die Stirn in Falten, spitzen die Angen, steckendie Nase in die Höhe und rufen:ins Feuer, ins Feuer!"" DiesenSumpf aufzuwühlen ist ebenso gefährlich wie in Dornen zu greifen.Diesen gegenüber mnß man sich hüten, etwas unüberlegt ausznsprechen;es ist eine fürchterliche Rotte, die gewohnt ist, über alles abzusprechenund nichts anzuhören."s) Ter friedliebende Reuchlin, der bereits imsechsundfünfzigsten Lebensjahre stand und sich nach der Ruhe desAlters sehnte, ist daher nicht zu tadeln, wenn er dem Kampfe mit dennach Scheiterhaufen lüsternen Dominikanern aus dem Wege gehen wollte.

Schon wenige Tage nach Empfang des Briefes von dem BeichtigerUlrich (1. November) richtete er ein seine Verteidigung abschwächendesSendschreiben an den Zensor seiner Schrift, an Arnold von Tongern,milderte seine Behauptungen imAugenspiegel" und entschuldigte sich,er habe nicht als Theologe, sondern als Richter über den Talmudgeurteilt und habe nicht wissen können, daß die Cölner Universitätanderer Meinung über dieses Schrifttum sei; er habe sein Urteil in vollerHarmlosigkeit abgegeben, ohne nach irgend einer Seite hin verletzen

Reuchlins Briefs. II. Nr. 10. Dieser Brief mit seinem erbärmlichenLatein und seiner Petersünpel-Miene ist nicht als freundlicher Wink anzn-sehen, wie sämtliche Biographen Reuchlins ihn anffassen, sondern als einSchreckschuß, um ihn zur Reue und zum Widerruf zu bewegen. Was liegt nichtalles in den Worten: Laut, äivsrsas seuteutms, ut auckivi. (sstiiilum, guialibsilus (speenlnm oeulare) eomlmrsretur. tjuickam, guia, antor inguirerstur.^.lii aliter ete. . . Xou cknlnto itn, ut 8eribc>, bouo unimo aecchnetur. 6ou-eeclo ms Oomnmtioui vsstrus.

'h Erasmus' Sendschreiben an Pirkheimer in dessen oxera p. 208.

0) Hutten, Einleitung zum dismo.