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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
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Viertes Kapitel.

Der Streit um den Talmud, ein Schibolet der Humanistenund Dunkelmänner.

«Fortsetzung.!

Reuchlins Gutachten zugunsten des jüdischen Schrifttums und der Juden.Die anderen Gutachten; Hochstraten für ein ständiges Jnquisitionsgerichtgegen die Inden. Die Mainzer Universität gegen die Bibel. Mißbrauchder Dominikaner von Reuchlins Gutachten. Der Handspiegel; ersteSchmähschrift gegen Reuchlin; dessen Augenspiegel zugunsten der Judenschafft eine öffentliche Meinung. Freude der Juden und Jubel des Huma-nistenkreises darüber. Engherzigkeit und Kurzsichtigkeit Erasmus', Pirk-heimers und Mutians.

(1510 bis 1511.)

Es war ein glücklicher Wurf für die Juden, daß der biedere,wahrheitsliebende und für die hebräische und kabbalistische Literaturschwärmerisch eingenommene Reuchlin um ein Urteil über die Zu-lässigkeit oder Verwerflichkeit des jüdischen Schrifttums angegangenwurde. Die Kölner Dominikaner, welche ihn in Vorschlag gebrachthaben mochten, haben dadurch ihr Vorhaben selbst vereitelt und inweiterer Entwicklung ihn zum Feinde ihrer boshaften Bestrebungengemacht.

Reuchlin machte sich, sobald ihm die Aufforderung vom Kaiser zu-gekommen war, sofort an die Beantwortung der Frage:Ob es göttlich,löblich und den: christlichen Glauben nützlich sei, die jüdischen Schriften worunter namentlich der Talmud gemeint war zu verbrennen."Er vollendete sein Gutachten in kaum drei Monaten (12. August bis6. Oktober 1510). Sein Urteil fiel außerordentlich günstig für dieangeklagten Schriften aus, und er ließ es dabei nicht an derben Seiten-hieben gegen die gewissenlosen Hetzer fehlen. Die Geliebte seinesHerzens, die jüdische Literatur, sollte in den Anklagestand gesetzt werden,und er sie nicht mit dem ganzen Aufgebot seines Geistes verteidigen?Reuchlins Gutachten ist zwar sehr pedantisch und in dein schwerfälligenStile damaliger Rechtsdeduktionen gehalten, aber nicht ohne Geschick-lichkeit ausgearbeitet. Er ging dabei von dem richtigen Gesichtspunkteaus, daß man bei Beantwortung dieser Frage die jüdischen Bücher