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Geschichte der Juden.
Juden war groß, wie sich denken läßt. Waren sie doch einer großenGefahr entronnen: denn es handelte sich nicht bloß nur ihr Schrift-tum, das ihrem Herzen so teuer war, sondern um ihre Stellung imdeutsch-römischen Reiche. Wie leicht hätten sich daraus andere Nach-teile für sie entwickeln können? Tie Dominikaner hätten es nicht anAufreizung fehlen lassen, neue Demütigungen und Verfolgungenüber sie herbeizuführen.
Aber sie hatten zn früh triumphiert. Die Dominikaner und ihrBundesgenosse und Werkzeug Pfefferkorn, gaben die bereits errungenenErfolge nicht so leicht auf. Ein trübseliger Vorfall in der Mark Branden-burg gab ihren feindseligen Bestrebungen neue Nahrung und einenAnhaltspunkt zn Anklagen. Ein Pommer hat in einer Kirche einZiborium mit einer vergoldeten Monstranz gestohlen. Über die Hostiebefragt, machte er Geständnisse, sie an Juden in Spandau, Branden-burg und Stendal verkauft zu haben. Natürlich schenkte man demDiebe vollen Glauben, und der Bischof von Brandenburg betrieb dieVerfolgung der Brandenburger Inden mit glühenden: Fanatismus.Daraufhin ließ der Kurfürst Ioachi m I. von Brandenburg, einHanptketzerverfolger, die des Verbrechens Angeklagten nach Berlinbringen. Zn der Anschuldigung der Hostienschändung kam bald eineandere, die des Kindermordes, hinzu, wie früher in Breslau unterCapistranv und anderwärts. Joachim ließ die Angeklagten folternund dann auf einem Roste achtnnddreißig verbrennen. Mit Stand-haftigkeit und mit Lobgesang im Munde waren diese Märtyrer vonBrandenburg zum Feuertode gegangen (19. Juli 1510), bis auf zwei,welche vor Todesangst die Taufe genommen hatten und scheinbarehrenvoller, nur enthauptet worden waren. Das ist die erste Kundevon den Juden in Berlin und Brandenburg. SiebenundzwanzigJahre später kam die Unschuld der Märtyrer an den Hellen Tag. Fürden Augenblick beuteten die Judenfeinde den Fall ans und veröffent-lichten, als wenn die Anschuldigung auf Wahrheit beruht hätte, eineSchrift darüber?) mit häßlichen Holzschnitten versehen, welche die
') „Ei» wnnderbarlich GUN,wt, nie die Märkische» Jüddcn das hoch-würdige Lpfer geschändet habe»." Pfefferkorn berichtet darüber in, Handspiegelnnd 1>r. Eck im „Jndcnbüchlein" Bl. X. Eine jüdische Quelle darüber teiltZunz mit, spnagognle Poesie, S. 5>g. Auch die Brannschwciger Juden mnrdcnans Joachims Anregung verhaftet. Joseph Joselin von Röschen» berichtetdarüber in seinem Dagebnche: pinrr >ni 2 >n (i"? i-oey nrw imnai
->->'2 'a 'L-ai nne-o nch w'vr (Revue des Xtucles XVI, 88). Aneiner anderen Stelle berichtet er: Im Jahre 1ä37, bei einer Fürstenversanimlnngin Frankfurt, habe Joachim II. von Brandenburg erfahren, das; die Mänprervon Berlin nnschnldigerweisc verbrannt worden waren, indem der Dieb desCiborinms seine erlogene Anklage bei der Beichte eingestanden habe, und daß