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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Jerusalem und di Bertiuoro.

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auzuschlageu ist, auch die Sittlichkeit hatte sich durch die Einwandererbedeutend gehoben. Jerusalem war nicht mehr die Räuberhöhle,welche Obadja di Bertiuoro angetroffen hatte. Die Gemeindemit-glieder wurden nicht mehr von einein habsüchtigen, gewalttätigen,verräterischen Vorstand bis aufs Blut gequält und zur Verzweiflungoder zur Auswanderung getrieben; H Eintracht, Verträglichkeit,Gerechtigkeitsgefühl und Ruhe waren in ihrer Mitte eingekehrt. Esherrschte zwar darin eine übertriebene äußerliche Frömmigkeit vor;aber diese stand nicht mehr in grellem Widerspruche zu einem empörendunsittlichen Lebenswandel. Viel, sehr viel hatte zu dieser Hebung derSittlichkeit und der Gesinnung in Jerusalem der sanfte und liebens-würdige italienische Prediger ObadjadiBertinorv beigetragen,der mehr als zwei Jahrzehnte der anwachsenden Gemeinde mit Wortund Beispiel innige Religiosität, Gesinnnngsadel und Entwöhnungvon barbarischer Roheit lehrte. Als er in Jerusalem eingetroffenwar, schrieb er an seine Verwandten:Wenn es in diesem Lande eineneinsichtsvollen Juden gäbe, der die Leitung einer größeren Körperschaftmit Billigkeit und Sanftmut verstünde, so würden sich ihm nicht bloßdie Juden, sondern auch die Mohammedaner gern fügen, denn dieletzteren sind gar nicht judenfeiudlich gesinnt, vielmehr voller Rücksichtgegen Fremde. Allein es gibt keinen einzigen Juden von Einsicht undgeselligen Tugenden in diesem Lande, sondern alle sind sie roh, menschen-feindlich und gewinnsüchtig".2) Damals ahnte di Bertiuoro nicht,daß ihm selbst diese schöne Rolle zufallen würde, die Roheit zusüchtigen, die Nnsittlichkeit zu verbessern, die Niedrigkeit zu veredeln.Mit seinem milden, herzgewinnenden Wesen entwaffnete er die Bosheit:nnd heilte die Schaden, welche er in der Jerusalemer Gemeinde an-getroffen, beklagt und schonungslos aufgedeckt hatte. Obadja diWertinoro war ein Segenspender für die heilige Stadt, entfernte den'HSchmutz von ihr und umgab sie mit einem sauberen Feierkleide.Wollteich sein Lob verkünden," so berichtete von ihm ein italienischer^Jerusalempilger,würde ich nicht fertig werden. Er ist der angesehensteIMann im Lande, und nach seinem Befehl wird alles geleitet, seinen»Worten wagt niemand zu widersprechen. Von allen Seiten wird^er ausgesucht und um Rat gefragt, auch in Ägypten und Babylonienmst er anerkannt, und selbst die Mohammedaner erweisen ihm Ehre.zDabei ist er bescheiden und demütig, seine Worte sind sanft, er ist fürjedermann zugänglich. Alles preist ihn und sagt er gleiche keinemErdensohne. Predigt er, so lauscht jedes Ohr ans sein Wort, und manvernimmt dabei nicht das leiseste Geräusch, so still andächtig sind seineZuhörer."^) Verbannte aus der pyrennischen Halbinsel, die dahin

y Vergl. Bd. VIltg S. 278ff. h Sein Sendschreiben a. a O. S. 2>3.

h Sendschreiben a. a. O. S. 280.