Note 14.
409
ähnliches beibehalten; denn in der Heimath war dieses bekannt. Phönicier,Samaritaner und noch andere Völkerschaften in der Nähe bedienten sich diesesAlphabets fortwährend. Aber schwierig war es für die Judäer, sich in dieserSchriftart mit den Brüdern im Exilslande zu verständigen. Diese bedientensich nämlich ohne Zweifel der landesüblichen Schrift, d. h. des semitisch-assyrischenAlphabets, desselben, dessen sich Darius neben dem Griechischen bediente, umdie Völker seines Gefolges zu zählen, so wie die Satrapen, um unter einander zuverkehren lvergl. Gesenius, Nouumouta p. 74 fg.) und endlich die Kriegsherren,um Münzen zu prägen. Das altsemitische Alphabet, welches das erste Geschlechtder Exulanten noch kannte, war Enkeln und Urenkeln vollständig unverständlichgeworden. Esra, Nehemia und wenige ihrer Zeitgenossen mögen sich noch beiderSchriftzeichen, der althebräischen und der neuassyrischen haben bedienen können.Aber die große Menge im Exilslande kannte nur die Letzteren. So entstand einegroße Verlegenheit für den schriftlichen Verkehr der beiden Volkstheile untereinander. Diese Verlegenheit wurde noch drückender, als zu einer bestimmtenZeit die Anordnung getroffen wurde, aus dem Pentateuch regelmäßige Vor-lesungen zu halten. Es wäre den Judäern im Exilslande, d. h. in Persienganz unmöglich gewesen, dieser Anordnung nachzukommen, da ihnen die alt-hebräischen Schriftzüge völlig unleserlich geworden waren. Diese Verlegenheitmußte beseitigt werden. Sollten die Brüder im Exils dem Judenthum erhaltenbleiben — und sie waren eine Hauptstütze für die arme Gemeinde in ihrer Heimath- so mußte ihnen eine Concession gemacht werden. Die althebräische Schriftmußte beseitigt und in die neue assyrische umgewandelt, oder der Penta-teuch mußte transscribirt werden, um ihn auch den im Exilslande lebendenJudäern zugänglich zu machen. Die Tradition von der plötzlichen Umwandlungder Schriftzeichen ist also auf historischer Basis begründet. Es gab mindestensim fünften Jahrhundert eine assyrische Schrift, deren sich die Satrapen außer-halb Persiens bei Prägung von Münzen und bei ihren Correspondenzen be-dienten. Diese "r die hat Esra oder die ein-
gesetzte Behörde in der nach-Esratschen Zeit eingeführt.
14.
Utihältnik der Irndreligion zum Indentlinm.
Die Linguisten der klassischen und europäischen Zungen, die Ethnographen,Mythologen und Bölkerpsychologen, durch die Sprachvergleichung ans dieWurzelverwandtschaft der europäischen Sprachen mit den arischen aufmerksamgeworden und davon frappirt, pflegen in der Regel dem arischen Wesen diehöchste Bedeutung für die Entwickelung der Civilisation zu vindiciren und diesemitischen Völker sammt ihrer Cultur in dem Maaße herabzusetzen, als siejenes hoch hinausschrauben. Nur ein einziger Punkt stört sie in dieser Be-wunderung und Selbstbespiegelung: Die religiöse Seite der indoeuropäischenVölker. Diese zeigt nämlich in ihren geschichtlichen Anfängen eine buntscheckige