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Geschichte der Juden.
Mythologie mit grobsinnlichen Anschauungen. Die Mythologen haben zwar auchdiese mit philosophischen Formeln gerechtfertigt und gefunden, das; Alles darangut sei, und eine höhere Idee reflektire. Sie haben sogar hinterher herausgeklügelt,daß die indisch-griechische Mythologie mit ihrem Vielgötterthum und ihrer Rang-ordnung von oberen und unteren Göttern und Heroen die Mutter der Poesie undder Kunst gewesen sei, die deßwegen nur innerhalb der arischen Völkerschaften sichhabe entwickeln können, weil die arische Mythologie die Phantasie angeregt habe,die semitische Nace dagegen habe nur die rohesten Elemente dieses Blüthenstandesder Cultur besessen und der Kunstanregung entbehrt. Allein es war ihnendabei doch nicht wohl zu Muthe. Sie konnten nicht verkennen, daß der Poly-theismus den Begriff „absoluter Geist", die Vorstellung von einem allesSinnlichen baaren Wesen, nicht erzeugt hat, nicht erzeugen konnte. DieGötter der griechischen und indischen Mythologie, die am reinsten und feinstenausgebildet erscheint, sind mit menschlichen Schwächen, übermenschlichen Lasternbehaftet und mit Unthaten befleckt, welche die rasfinirteste Auslegungskunst nichtzu verwischen vermag. Sie konnten nicht wegleugnen, daß der Begriff „desGeistes" ein Product des Monotheismus ist, und daß dieser überhaupt die Pflanz-schule für Zucht und Sittlichkeit geworden ist, die höhere Moral, die ethischeCultur in. die Weltgeschichte eingesührt hat, ohne welche Kunst und Wissenschaft,politische Ordnung und Machtgröße nur eine glänzende Oberfläche ist, die einenfaulen Körper bedeckt. Und in der That, als der Monotheismus den Schmetter-lingsstanb von der farbenreichen Mythologie weggeblasen hatte, trat die Fäulnis;in abschreckender Gestalt zu Tage, und er, der die Eiterbeulen aufgedeckt hatte,war auch berufen, sie mit dem Balsam seiner Lehre zu heilen und die siecheMenschheit wieder gesund zu machen. Der Monotheismus oder das Judenthum— denn im Grunde ist dieses allein im völligen Gegensatz zu den arischenVölkern der Autor desselben — hat demnach einen wesentlichen Antheil an derCivilisation. Dieses Verdienst des Judenthums war aber den Arianisten höchstunbequem. Da mußte ein Ausweg gefunden werden, um ihm nicht diesen Antheiloder gar diese Ueberlegenheit einräumen zu müssen. Dieser Ausweg schien andem Eranismus gefunden. Diese mit dem Arismus stammverwandte Religions-form hat die ursprüngliche mythologische Buntscheckigkeit abgestreift, die holdenund unholden Götterwesen reducirt und nur, wie man sagt, zwei Potenzenübrigbehalteiu Ahura-Mazda und Angro-Mainyus, den Gott desLichtes und den Gott der Finsterniß. Den Ormuz der eranischen Religionsformsuchten die arischen Mythologen so sehr zu sublimiren und zu spiritualisiren,ihm alle Vollkommenheiten in so hohem Grade zu vindiciren, daß er nichtnur dem Gotte des Judenthums an die Seite gestellt werden, sondern ihn nochbei weitem übertreffen könnte. Sie nahmen ihn zum Angelpunkt eines arischenMonotheismus, den sie dem semitischen — wie sie sich ausdrückten — entgegen-stellten, um diesem die Palme zu entwinden.
Haug, das Haupt der eranischen Archäologen, hat diesen Vergleich zuerstaufgestellt lllnsa^s ou tsis saorscl I,ang'na§6, anck sVritinxs ol tbo korseosLomba.^ 1862, p. 257s, daß Ahura-Mazda oder das höchste Wesen der Parsenmonotheistisch gedacht und vollkommen identisch sei mit dem Begriff El-Jhwh