Das Buch Esther.
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dcn judäischen Stamm vererbt hatte. Haman von seiner hohenStellung, als Nächster dem Throne, aufgeblasen, verlangte für sich gött-liche Anbetung, daß jedermann sich nicht blos vor ihm niederwerfen,sondern auch verehrend knieen sollte. Nur Mardochal, der frommeJudäer, versagte ihm diese göttliche Verehrung. Darüber ergrimmteHaman, und als er noch dazu erfuhr, daß Mardochal von judäischerAbstammung sei, erwachte sein glühender Haß gegen das ganzejudäische Volk, und er faßte den Plan, es überall in allen Pro-vinzen des Reiches vom Erdboden vertilgen zu lassen. Den Be-fehl dazu erlangte er leicht von dem leichtsinnigen Ahasverus. Erhatte ihm die Judäer von der schwärzesten Seite geschildert: „Es
giebt ein in allen Provinzen Deines Reiches unter die Völker zer-streutes Volk, dessen Gesetze verschieden sind von den Gesetzen allerVölker, die Befehle des Königs befolgt es nicht, und für den Könighat es keinen Werth, sie leben zu lassen" i). Daraufhin erhieltHaman die Befugniß, in alle Provinzen durch reitende Boten zuschreiben, daß die Bewohner sämmtliche unter ihnen wohnendeJudäer an einem Tage, am dreizehnten Adar, todtschlagen und ihreGüter sich aneignen sollten. Schmerz und Trauer unter allen SöhnenJuda's. Mardochal, in steter Verbindung mit Esther, theilt ihr dieSchreckensnachricht mit und dringt in sie, ihre Gunst beim Königzur Rettung ihrer Volksgenossen zu benutzen. Anfangs fürchtet siesich, ungerufen sich dem Throne zu nahen. Als ihr aber Mardochaldie gewichtigen Worte durch die Boten sagen läßt: „Stelle Dir nichtvor, im Palaste allein von allen Judäern gerettet zu werden. SolltestTu auch in solcher Zeit schweigen, so wird den Judäern von irgendeiner andern Seite Befreiung und Rettung zukommen, Du aber»nd Dein Vaterhaus, ihr werdet untergehcn. Vielleicht bist Dugerade für eine solche Zeit zur Würde der Königin gelangt!"?)
Darauf naht sich Esther, Schrecken im Herzen, dem Throne,findet, anstatt der Strenge wegen Uebertretung des Brauches, liebe-volles Entgegenkommen bei ihrem königlichen Gemahl; er gewährtihr im Voraus ihre Wünsche. Klug bringt sie nicht alsogleich ihreKlage vor/sondern äußert nur den Wunsch, den König und seinenGünstling bei sich als Gäste zu sehen. Haman durch diese Aus-zeichnung von Seiten der Liebliugskönigin noch mehr aufgebläht,
' Esther 3, 9; vergl. o. S. 331.
Das. 4, 13—14.