Sirach berührte auch eine peinliche Frage, welche die Gemütherder höheren Kreise Jerusalems innerlich beschäftigte, die vermessenenWnke der Hellenisten, den Hohenpriester Onias seines Amtes zuentsetzen und einem der Ihrigen, wenn auch nicht von den Nach-kommen Ahrons, diese Würde zu übertragen. Mußte denn dasHohepriesteramt in einer einzigen Familie erblich sein? DieseFrage hatten die Ehrgeizigen aufgeworfen. Bei den Griechenin der Nähe Judäa's war das Priesterthum nicht erblich, sondernkonnte den Mitgliedern der vornehmen Familie durch Wahl oderdurchs Loos zugetheilt werden. Warum soll am Tempel in Jeru-salem nicht eben so verfahren werden? Gegen dieses Geredeund die Verschwörung, die allerheiligste Ordnung umzukehren, ließSirach ebenfalls seine Warnung in Spruchform vernehmen. Erdurste nur zart darauf anspielen, nicht die Sache beim rechtenNamen nennen.
„Warum ragt ein Tag vor dem andern hervor,
„Und doch kommt jedes Tageslicht von der Sonne?
„Durch die Weisheit des Herrn wurden sie geschieden,
„Und er zeichnete Zeiten und Feste aus.
„Einige Tage erhöhte und heiligte er,
„Und einige bestimmte er als Werkeltage.
„Und so sind alle Menschen von Staub geschaffen,
„Und aus Erde wurde Adam gebildet,
„Jndeß schied sie Gott in seiner Weisheit.
„Einige von ihnen segnete und erhöhte er,
„Einige heiligte er und brachte sie sich näher,
„Und Einigen fluchte er und stellte sie niedrig."
Tie Ordnung der Berufung eines Hauses zur Heiligkeit für denTempeldienst stamme von Gott, will der Spruchdichter sagen, ebenso wie die unbestrittene Auszeichnung gewisser Tage als heiligeFeste. An dieser Ordnung soll der Mensch nicht vermessen rütteln.Tiefe Auseinandersetzung beschloß Sirach mit einer feierlichenWarnungsanrede:
„Höret mich, Große des Volkes,
„Und Führer der Gemeinde, merket ans mich fl!"
fl Es ist nicht zu verkennen, daß Sirach 36, 7—15a ffyr. Text 33, 6—141,die Tendenz hat, die unerschütterliche Berufung des Priestcrthums zu be-tonen. Dann erhält auch die Apostrophe ein Relief: üxor-aari /-e
ü. r. die damit zusammcnhängt isyr. Text das. V. 16, im griech. T.