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Geschichte der Juden.
legte, so führte, wie es scheint, der Tobiassohn aus Liebedienereiein dionysisches Fest, das er in Aegypten mitznmachen Pflegte, inJudäa ein. In der Zeit des Ueberganges des Winters zum Früh-jahr, wenn der Weinstock in Blüthe schießt, und der Wein in denFässern zum zweiten male und entscheidend in Gährung gercith,pflegten die Griechen ein großes Fest, die großen Dionysien,„das Faßöffnungs- oder Kannenfest," mit ausgelassenerFreude zu begehen. Zwei Tage wurden dem Weinransche gewidmet,zu dem auch die Sklaven zugelassen wurden. Freunde beschenkten ^einander Krüge mit Wein gefüllt. Wer am meinsten trinken konnte,wurde als Sieger gefeiert. Dieses „Faßöffnungsfest" fandauch in Judäa Eingang, wahrscheinlich von dem Höfling Josephangeregt. Auch hier wurde in derselben Zeit allmälig erst inkleinern und dann in immer größern Kreisen an zwei Tagen deinWeine mehr als gebührlich zugesprochen und Geschenke an Freunde ^geschickt. Um jedoch diesem fremden Feste einen judäischen Anstrichzu geben, pflegten die Reichen an diesen Tagen den Armen Almosen-gabcn zuzuwenden i). Die Ausgelassenheit ist die stete Begleiterindes übermäßigen Weingenusses. Der judäische Geldadel setzte sichbald über Ehre, Scham und väterliches Gesetz hinweg und ahmtedie griechische Zuchtlosigkeit nach, Sängerinnen, Tänzerinnen undBuhldirnen bei den Schmausereien einzuführen. Wie zur Zeitdes babylonischen Exils ein Weiser vor der Nachahmung der baby-lonischen .Buhlerkünste warnte, so mußte auch in dieser Zeit einSpruchdichter gegen die überhandnehmende Unkeuschheit seine warnendeStimme erheben:
„Komme einem buhlerischen Weibe nicht entgegen,
„Damit Du nicht in ihre Schlinge fallest.
„Verweile nicht bei einer Sängerin sTänzcriry,
„Damit Du nicht in ihren Künsten gefangen werdest.
„Gieb der Buhlerin nicht Dein Leben hin,
„Auf daß Du Dein Erbe nicht verlierst" 2).
Das Schöngute, das der Tobiassohn von den Griechen fürJudäa entlehnt hat, die Künste und der feine Geschmack, wogen nichtdie Einbuße an Sittenstrenge und Keuschheit auf, die er dem Volke
>) Es wird an einen: anderen Orte unwiderleglich nachgewiesen werden,daß das griechische Fest TreSor^l« — Vinaiia auch bei den Judäern Einganggefunden hat.
2) Sirach 9, 3 fg.