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Geschichte der Juden.
daß sie Bewunderer und Affen der Griechen wurden nnd Anstrengungmachten, sich auch deren Untugenden und leichtfertige Sitten anzu-gewöhnen und die einheimischen Tugenden hintansetzten. AxGriechen liebten vor Allem Geselligkeit, gemeinschaftliche Mahle undausgelassene Heiterkeit bei den Gastmählern. Es war eine un-schuldige Nachahmung, daß auch Judäer diese Sitte annahmen,gemeinschaftlich speisten, bei Speisen je drei auf Ruhebettenlagen'), statt an der Tafel zu sitzen, und Wein, Musik, Lieder undHeiterkeit dabei einführten?). Allein es blieb nicht dabei, das
Leben auf harmlose Weise zu erheitern. Der griechische Leichtsinn unddie Ausgelassenheit zogen sie immer tiefer in den Strudel hinein.Der Tobiassohn verkehrte öfter an dem Hofe des Königs PtolemäusPhilopator, wenn ihn Geschäfte nach Alexandrien führten. DieserHof war aber ein Pfuhl der Zuchtlosigkeit. Keiner von PhilopatorsVorgängern hat sich zwar durch Keuschheit und geregelte Lebensweiseausgezeichnet; aber der vierte Ptolemäer hat sie sämmtlich in denSchatten gestellt. Die Buhlerin Agathoklea, ihre Mutter, ihrBruder Agathokles und ein anderer Wollüstling Sosibios,welche den König und das Land beherrschten, Aemter austheilten,Gunst und Ungunst nach Laune gewährten, sie machten Alexandrienzu einer Lotterstätte. Unzucht, tägliche Trinkgelage, Musikaufführungen,in denen der König selbst auftrat, wechselten in berauschender Auf-einanderfolge ab. Die Tage vergingen in festlichen Gelagen unddie Nächte in schamloser Ausschweifung. Die Zuchtlosigkeit gingohne Hülle umher und verführte Volk und Heer3). Philopatorhatte den drolligen Einfall, daß seine Ahnen von dem WeiugottDionysios (Bacchus) abstammten si, und in Folge dessen fühlte ersich verpflichtet, dem Weinrausche und der damit verbundenen bac-chischen Ausgelassenheit mit Andacht obzuliegen. Wer Gunst beimKönig und seinen Buhlgenossen finden wollte, mußte sich in diedionysische Zunft für das Lotterleben aufnehmen lassen.
y Vergl. Graetz, das Hohelied. S. 61.
2) Sirach 32. — Nach der Rectification der verschobenen Kapitel 35, —1-S; 39, 1.
S) Justinus XXX, 1—2; Polybins 15, 25.
4) Satyrus bei Theophilus nä Xntolivnm II, p. 94. C. Müller, trag-msnta bistor. Ornsone III, 164. Xo. 21, angedeutet im III. Makkabäer-Buche 2, 29.