Joseph der Tobiassohn. 245
Von diesem Augenblick an trat Joseph mit solcher Entschieden-heit auf, als wenn sein Plan schon lange vorher in seinem Kopfegereist gewesen wäre. Er kannte recht gut die Schwächen derGriechen, daß sie für Schmeicheleien und Schmausereien nicht un-empfindlich waren. Er veranstaltete daher leckerhafte Gastmählerfür den Gesandten Athenion. bezauberte ihn durch seine Liebens-würdigkeit, machte ihm reiche Geschenke und wußte ihn zu überreden,getrost an den ägyptischen Hof zurückzukehren und den König zuversichern, daß er bald Nachkommen und die Rückstände der Steuererledigen werde. Sobald der Gesandte Jerusalem verlassen hatte,knüpfte Joseph mit samaritanischen Freunden oder Wucherern Unter-handlungen an, um eine Anleihe für die Ausgaben, die ihm nöthigschienen, zu erlangen. Um würdig bei Hofe auftreten zu können,brauchte er nämlich Prachtgewänder, Gespann und Mittel für Gast-gebereien. Joseph besaß aber selbst keine Mittel, und in ganz Judäafand er keinen, der ihm hätte Geldvorschüsse machen können. DieBevölkerung lebte nur von Ackerbau und Gartenzucht, trieb keinenHandel und hatte bis dahin keine Gelegenheit, Reichthümer zusammeln h. So mußte Joseph zu den samaritanischen GeldmännernZuflucht nehmen, die schon Handel trieben und Wohlstand erworbenhatten. Obgleich zwischen Samaritanern und Judäern die alteFeindschaft noch fortdauerte, und jene während Onias' Priesterthumwiederum einen Landstrich an der Grenze von Juda losgerissenund Personen in Gefangenschaft weggeführt hatten2), so machte dieserUmstand doch Joseph kein Bedenken, mit den Feinden seines Vater-landes^) in Verbindung zu treten, und von ihnen eine Anleihe auf-zunehmen.
Mit Mitteln zum Erscheinen bei Hofe versehen, eilte er nachAlexandrien, und als er erfuhr, daß der König Euergetes sich nachMemphis begeben hatte, reiste er ihm nach. Der Gesandte Athenion
jahrs zwischen Antiochos Magnus und Philopator erlitten. Auffallend ist cs,daß Mommsen kRvm. Gcsch. lX S. 724 Note), diese Steuerpacht um 187 ansetzt.Das Störende in den Angaben bei Jos., daß Hyrkanos erst während der Periodeder Steuerpacht aus halbsträflicher Umarmung geboren und daher noch sehr jungals Gesandter an den Hof gesandt worden sei, kann sehr gut auf einer Sage"der gar auf einer Verläumdung seitens seiner sauberen Brüder beruhen.
') Jos. das. XII, 4, 10.
2) Das. 4, 1.
Sj Das. 4, 3.