244
Geschichte der Juden.
gebrachten Ordnung stand ihm der Hohepriester, weil er zugleichpolitisches Oberhaupt des Volkes war, im Wege. Jetzt war dieGelegenheit günstig, ihn bei Seite zu schieben. Sobald JosephNachricht von dem Eintreffen des ptolemäischen Gesandten in Jeru-salem und von dessen drohender Sprache erhalten hatte, eilte eraus seinem Geburtsort nach Jerusalem, überhäufte seinen OheimOnias mit Vorwürfen, daß er das Volk durch die Steuerverweige-rung in die größte Gefahr versetzt habe, drängte ihn, an den ptole-mäischen Hof zu reisen, um wegen derselben zu unterhandeln, undda er den Hohenpriester unnachgiebig fand, erbot er sich als Ge-sandter nach Alexandrien zu reisen und Unterhandlungen anzuknüpfen.Kaum hatte ihu Onias dazu ermächtigt, als Joseph das Volk in denTempelvorhof versammelte, es wegen der vorhandenen Gefahr be-schwichtigte und zu verstehen gab, daß es zu ihm allein volles Ver-trauen fassen möge, daß er die Bedrängniß abzuwcnden im Standesein würde. Die anwesende Versammlung rief ihm Dank und Bei-fall zu und ernannte ihn znm ofsiciellen Volksführer (230) i).
b Joscphus Alterth. XII, 4, 2—3. Aus den Worten das. 3, welche derGesandte dem Könige mittheiltel ttörov sraö Tl-.H-ovJ Nttoarnrrr
s/,üa^7ro,-. geht hervor, daß Joseph vom Volke zum Prostaten acclamirt wordenwar. Seine Blüthezcit, die Josephus zweimal mit 22 Jahren ansctzt, hatStark (Gaza S. 4161 ziemlich genau ermittelt gegen Droysen, welcher die ganzeErzählung vom Steuerpächter Joseph als apocryph behandelt. Die Verwicklungin Judäa, wodurch Joseph zu seiner Stellung gelangte, begann noch in Ener-getcs' Regicrungszeit (Jos- das. 4,1), also noch in dem 30. Jahre des III. Jh.ants. Der Prinz, bei dessen Geburt Joseph und alle Städte von Cölesyrim sichin Gratulationen und Geschenken überbotcn <das. 4, 7>, war kein anderer, alsder später Ptolcmäus V. Epiphanes genannte. Folglich hatte Joseph dieSteucrpacht auch z. Z. Ptolcmäus' IV. Philopator. Die Regicrungszeitdieses Königs ist nicht zweifelhaft, wie Stark behauptet ja. a. O. S. M>.Nicht blos Eusebius im Kanon, sondern Ptolcmäus und Porphyrius geben ihm17 Regierungsjahre. Woher die corrumpirte Zahl 23 im Eusebius I. Thcil desKanon stammt, ist gleichgiltig. Als Philopator nach 17 jähriger Regierung starb,Oct. 206, war sein Sohn Epiphanes im fünften Jahre (Ölinton III p. 381;Müller, t'rnA. bistor. Olraaoas, III, 719 Notes. Er wurde also 210 geboren.Damals war Joseph bereits alt und sandte zur Gratulation seinen Sohn Hhr-kanos sJoscphus das.). Wie aus derselben Stelle hervorgcht, ist Joseph nicht langenach der Geburt des Prinzen und nach der Rückkehr seines jüngsten Sohnesvon der Gratulations-Gesandtschaft gestorben, d. h. nach 210. Nehmen wir fürsein Todesjahr 208 an, so beginnt seine 22jährige Steucrpacht um 230, zurZeit Euergetes'. Diese hat nur eine kurze Unterbrechung während des Kriegs-