Alexander der Große und die Juden.
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ein Völkchen in dem ihm unterworfenen Länderumfang ohne seinenunmittelbaren oder mittelbaren Befehl sich etwas erlauben durfte.Seine raschen und glücklichen Eroberungen bis an den Indus undKaukasus hielten die Gemüther wie im Bann und lähmten jedeselbstständige Regung. Da, wo er nicht Krieg führte, herrschte vonGriechenland bis Indien und von Aethiopien bis zum Rande desKaspi-See's der tiefste Friede. Alexander hegte einen Riesenplanfür die Zukunft. Er wollte eine Weltmacht vom Aufgange derSonne bis zum Niedergange gründen, in welcher die Grenzen derLänder und die Unterschiede der Völker vollständig verschwinden sollten.Griechen und Barbaren sollten mit einander verschmolzen werden.Ehe diese Verschmelzung sich vollzogen hatte, sollten die verschiedenenVölker unter seinem Scepter — und dem seiner Nachkommen —einander gleichberechtigt sein. Alexander war der erste Herrscher,der die Duldung der Eigenthümlichkeiten anderer Kreise als weiseStaatskunst erkannte. Auch die Verschiedenheiten in den Religions-oder Kultusformen wollte er gleich geachtet wissen, in der Erwartung,daß es die Priester nicht wagen würden, sich seinen Plänen und Be-fehlen zu widersetzen. In Aegypten verehrte er den Apis undAmmon und in Babylonien die chaldäischen Götter. Den Tempeldes babylonischen Götzen Bel, den Artaxerxes zerstört hatte, wollteer wieder Herstellen. Zu diesem Zwecke befahl er den Soldaten,den angehäuftcn Schutt von dem Grundban wegzuränmen. Dasthaten auch alle mit Ausnahme der judäischen Krieger, die freiwilligoder gezwungen in seinen Heeren dienten. Sie weigerten sich Handan den Bau eines Heiligthnms für einen Götzen, einen Ungott, zulegen. Selbstverständlich wurden sie wegen Ungehorsams von ihrenVorgesetzten hart gezüchtigt; aber sie erduldeten die Strafen stand-haft, um nicht ein Hauptgcsetz ihrer Religion zu übertreten. Alsendlich Alexander selbst Nachricht von dem Gewissensbedenken undder Standhaftigkeit der judäischen Krieger erhielt, war er hochherziggenug, ihnen Verzeihung zu gewähren^). Es war das Vorzeichen
h lloseplms eontra ^.pionsm I, 22 nach Hekatäus von Abdera. DieThatsache, daß Alexander die Wiederherstellung des Bclnstempels durch seineSoldaten vollziehen ließ, weil die chaldäischen Priester ans Habsucht lässig ge-wesen waren, erzählt auch Arrian <VU, 17, 3), wodurch die geschichtliche Grund-lage der Relation gesichert ist. Es ist, wie gesagt, gleichgiltig, ob die unterHekatäus' Namen citirte Schrift /re«! echt oder pseudcpigraphisch ist.
Graetz, Geschichte der Juden. II. 2. Hälfte. 15