218 Geschichte der Juden.
zu Ausschweifungen und zum unnatürlichen Laster der Knabenliebeund die andere zur Ehrlosigkeit. Liebe und Zärtlichkeit des Gatte»zur Gattin waren in Griechenland nicht anzutreffen, diese wurde»an die buhlerischen Freundinnen verschwendet, und Untreue desEhemanns gegen die Ehefrau war weder vom Gesetze, noch vonder Sitte gebrandmarkt. Für Züchtigkeit und Keuschheit, die Grund-bedingung zur Veredlung der Sitten, hatten die Griechen kein Ver-ständniß. Ein Joseph, welcher der Verlockung einer Sünden»entflieht, wäre in der griechischen Poesie nicht einmal als Phantasie-bild denkbar. Die verkörperte griechische Weltweisheit, Sokratesoder Plato, welche einen Jdealstaat aufstellte, fand es empfehlens-werth, daß junge Frauen und Mädchen mit den Männern gemeinsamunverhüllt Leibesübungen auf den Ringplätzen, den Lieblingsstätte»der Hellenen, zur Vorbereitung für den Krieg halten sollten^. I»diesem Jdealstaate sollte die Vermischung der Geschlechter so einge-richtet werden, daß kein Kind seinen Vater erkennen, sondernsämmtliche kriegstüchtige und tapfern Männer als seine möglichenVäter ansehen sollte . Diese Weltweisheit erkannte so wenig denAdel einer züchtigen Ehe, daß sie den jungen Männern, die sich imKriege oder sonst tüchtig erwiesen, als Preis und Auszeichnungmehrere Weiber gewährt wissen wollte, damit recht viele Kindervon ihnen erzeugt werden könnten3). Aus dem Jdealstaate solltedie Gleichheit ausgeschlossen werden; alle diejenigen, welche nichtkriegstüchtig oder philosophirend wären, sollten keine Gleichberech-tigung haben. Bis zum Menschenmord verflieg sich diese griechischeWeltweisheit. Schwächlich geborene Kinder oder solche, welche ohneobrigkeitliche Erlaubniß in die Welt gesetzt wurden, sollten bei derGeburt getödtet oder ausgesetzt werden^. Zu solchen Verirrungenverstieg sich der griechische Geist. Die Gewinnsucht führte dazu,daß Griechen sich als Söldnerschaaren anwerben ließen und sich dazudrängten, um für oder gegen die Perser gleichviel zu kämpfen. Inallen Schlachten auf dem Boden des persischen Reiches, die im viertenJahrhunderte unter den beiden letzten Artaxerxes Mnemon undOchus) vorfielen, standen Griechen gegen Griechen und schleuderten
tz Plato Politica V, p. 452.
2) Das. p. 457.
Das. p. 160.
4) Das. p. 161.