Das Griechenthum.
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Dieses Volk in seiner ansgeprägten Gestalt litt nämlich auchan den Schwächen der Künstlernaturen. Stolz aus seine Begabungund seine unverwüstliche Kraftfülle war es leichtlebig, eitel, hoch-fahrend, ungeberdig, rechthaberisch, unverträglich, launenhaft, unbe-ständig, argwöhnisch und reizbar. Heute überhäufte es einen seinerBürger wegen eines zweifelhaften Verdienstes mit der höchsten Ehre underrichtete ihm eine Standsäule, und morgen konnte es ihm den Gift-becher reichen. Trotz gemeinsamer Abstammung, gemeinsamer Spracheund Sitten und künstlicher Verbände, wie Gottesverehrung, gemein-same Spiele und andere Institutionen, konnten die Griechen es niezu einer geschlossenen Einheit bringen. Das Gefühl der Freiheitartete in Selbstüberschätzung und Geltendmachung der Einzeln-persönlichkeit aus. In Überschätzung der eigenen Einsicht wollteJedermann befehlen und Niemand gehorchen. Nur die gemeinsameGefahr, von den Persern geknechtet zu werden, hat die griechischenStämme — doch nicht alle — zur einheitlichen Abwehr verbunden.Aber so bald diese Gefahr vorüber war, so kehrte ein Land gegendas andere, eine Stadt gegen die andere die mörderischen Waffenund sie zerfleischten einander bis zur Vernichtung. Die griechischenFreiheitskriege dauerten nur einige Jahrzehnte, die Bürgerkriegedagegen mehr als ein Jahrhundert. Fast in jeder Stadt auf demFestlande und den Inseln gab es zwei Parteien, die mit Hintan-setzung aller Stammverwandtschaft und Menschlichkeit einander be-kämpften. Die unterliegende Partei oder der in seiner Eitelkeitverletzte Führer machte sich kein Gewissen daraus, mit dem ErbfeindeGriechenlands, den Persern, Unterhandlungen zum Schaden desVaterlandes anzuknüpfen und Landesverrath zu üben. Die dreiHauptstaaten, die abwechselnd auf einige Zeit die Führerschaft hatten,Sparta, Athen und Theben, haßten einander viel ingrimmigerals die Fremden, gegen die sie zur Behauptung der Freiheit ge-meinsam gekämpft hatten. Gewissenhaftigkeit war überhaupt nichtSache der Griechen. Gesetze wurden nur gegeben, um übertreten zuwerden. Abergläubisch wie sie waren, scheuten sie sich doch nicht, dieTempel der von ihnen verehrten Götter zu berauben und zu ent-weihen, und diejenigen Stämme oder Parteien, welche mit Ent-rüstung die Tempelschänder mit Krieg überzogen, thaten es bloszum Scheine, um für sich Vortheil daraus zu ziehen. Zu dieserVerworfenheit kam noch Genußsucht und Geldgier. Die eine führte