Das Judenthum im Verhältniß zur Zendreligion. 199
wichtige Handlung vollzogen werden. Sämmtliche priesterliche Hand-lungen, wozu Baumreifer (Barsom, Bererma), ein Feuerhaken undgewisse, eigens dazu geformte Gefäße nöthig waren, dienten dazu,die bösen Geister, die Geschöpfe und Diener Angro-Mainyus vonden Menschen fern zu halten oder, wenn diese bereits von ihnenbesessen wären, zu vertreiben.
In dieser magischen Umgebung lebten die Judäer während derHerrschaft der Perser; die im eigenen Lande und noch mehr die imAuslande hörten täglich von deren Lehren und Gesetzen und sahenderen Gebräuche vor Augen. Es konnte ihnen nicht entgehen, daßManches in derselben auffallende Aehnlichkeit mit ihren eigenenGesetzen und Bräuchen hatte nur in anderer Form, und sie erlagendiesem Einflüsse. Empfänglichkeit und Aneignungsfähigkeit fürFremdes hatte der judäisch-israelitische Stamm von jeher besessen,und auch Nachahmungssucht, es aufzunehmen und mit seinem eignenBiesen zu verweben. Diese angestammte Eigenheit hatte das Volkin alter Zeit dahin gebracht, dem Eindringen des götzendienerischenWesens von den sie umgebenden oder beherrschenden Völkern Thürund Thor zu öffnen, und dieselbe Eigenheit machte es geneigt, auchdem Magierthum sein Inneres zu öffnen und es eindringen zulassen. Allerdings die Grundüberzeugung von der Gottheit, als einemeinzigen, geistigen, vollkommenen Wesen, war im Herzen der Judäerso fest eingewurzelt, daß die, wenn auch vergeistigte Vorstellung vonAhura-Mazda keinen Einfluß darauf üben konnte. Ihre Seher,scharfsichtig, wie die waren, erkannten sofort den Jrrthnm, der inder eranischen Religionslehre liegt von der Zwiespältigkeit im Weltalldurch den Gott des Lichtes und des Guten, der im Kampfe liege miteinem Widersacher, einem Gotte der Finsternis; und des Bösen,einer Lehre, welche die Gottheit zur Ohnmacht verdammt. Sie hattendiesem Gottesbegriff die eigene Ueberzeugung entgegengesetzt, daßder Gott Israels Licht und Finsterniß, das Gute und das Bösegeschaffen Habens, daß die Welt und die Menschen nicht von zweieinander feindlichen Mächten hin und her gezogen und gespaltenwerden, sondern zur Einheit und zum Frieden berufen seien. DiesesBekenntniß haben, wie es scheint, die geistigen Führer in der so-Pherischen Zeit im Morgengebet zum ermahnenden Ausdruck ge-
h Jesaia 45, 6—7.