Das Opferwesen.
191
und das Sängerthum, deren Gedanken und Gefühle von den Lippender Betenden wiedertönten, hatten das Priesterthum aus der Ge-meinde wenigstens verdrängt, und diese Beseitigung des Priester-thums war für die Zukunft entscheidend.
Es galt aber noch sehr viel im Tempel. Denn neben demgeistigen Gottesdienst in den Synagogen in und außerhalb Jeru-salems bestand ein anderer, welcher mit dem Opfer- und Priester-wesen eng verknüpft war. So sehr Propheten und Psalmisten esgeringgeschätzt oder wenigstens gcringgestellt hatten, es war einmalvom Gesetze als heilig anerkannt und von der Volksmeinung alsnothwendiges Sühnemittel erkannt und konnte daher in der neuenOrdnung einen weiten Spielraum beanspruchen. Allerdings Opferin großen Massen wie in der früheren Zeit wurden nicht mehr ge-schlachtet. Das Gesetz hatte die Zahl derselben auf ein geringes Maaßbeschränkt. Die einmal vorgeschriebene Regel und Zahl wurdenauf das peinlichste, ohne dazu Hinzuthun oder davon hinwegzunehmen,beobachtet. Täglich i) wurden regelmäßig für die Gemeinde und inihrem Namen nur zwei Lämmer geopfert und ans dem Altar ver-brannt, das Morgen- und Abendopfer sDamiä); am Sabbatwurden noch zwei Lämmer mehr, und an den Festtagen sieben nebsteinem oder zwei Stieren und einem Widder geopfert und einSündenopfer dargebracht. Solche Feste waren je der erste Monats-tag, der fünfzehnte des Frühlingsmonates, das Wochenfest fünfzigTage später, auch der erste des siebenten Monats, welcher eineerhöhte Bedeutung erhielt, und endlich der Schlnßtag nach demsiebentägigen Hüttenfeste. Nur zweimal des Jahres war die Zahlder Opfer größer, an dem siebentägigen Hüttenfeste, an welchem statteines Stiers am ersten Tage dreizehn mit symbolischer Erinnerungan dreizehn Stämme 2) und zweimal sieben Lämmer, und in denfolgenden Tagen ein Stier weniger, und ferner an dem großen Sühne-tag, an welchem die Sündopfer den Vordergrund einnahmen, einBock geopfert und der andere, als Sündenbock in die Wüste geschicktund in einen Abgrund geschleudert wurde, ohne Zweifel eine sinn-bildliche Handlung aus alter Zeit, um die Verwerflichkeit des geilenBock-Cultus der Aegypter zu bethätigen. Am Pascha-Tage wurden
y lieber die Opfcrgesetze vergl. Leviticus 23, 4 fg. mit Numeri 28, 1 fg.,>vo einige Differenzen ausgeglichen werden müssen.
Vergl. Bd. I. S. 11 Änmerk.