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Geschichte der Juden.
regelten nach deren Vorschrift ihre religiösen und bürgerlichenLebensäußerungen. Allein ungeachtet dieser Gemeinschaft in deinGrundwesen hatte das judäische Volk keine Freude an dem Zuwachs,der seine Lehre erhalten hat. Diese erste judäische Sekte bereitetenihm vielmehr eben so viele Schmerzen, wie die, welche sich späteraus seinem Schoße entwickelt haben. Die Samaritaner waren nichtblos eine geraume Zeit hindurch seine erbittertsten Feinde, sondernsprachen ihm geradezu die Berechtigung der Existenz ab. Sie be-haupteten ganz allein Nachkommen Israels zu sein, stellten dieHeiligkeit Jerusalems und des dortigen Tempels in Abrede underklärten alles das, was das judäische Volk geschaffen und geleistet hat,als eine Fälschung des alt-israelitischen Wesens. Sie haben stetsüber ihre Grenze geschielt, um das, was in Judäa vorging, auchfür sich einzuführen, und hätten doch, wenn es in ihrer Macht ge-legen hätte, mit ihrem glühenden Hasse ihr Musterbild vernichtet.Von der judüischen Seite war der Haß gegen die samaritanische»Nachbarn nicht minder groß. Sie wurden hier „das verworfeneVolk, das in Sichem wohnte" ft genannt. Der feindliche Wider-streit zwischen Jerusalem und Samaria aus der Zeit des Be-standes des Zehnstämmereiches lebte abermals auf; er hatte zwarnicht mehr den politischen Charakter, sondern einen innern, reli-giösen, aber eben darum war er heftiger und leidenschaftlicher.
Die Entstehung der samaritanischen Sekte hat anregend auf dieJudäer zurückgewirkt. Indem sie sich an dem Gegensätze in dernächsten Nähe immer stießen, und von jenseits der Grenze Lehr-meinungen vernahmen, welche ihnen in tiefster Seele zuwider waren,mußten sie sich zusammennehmen, um ihr eigenstes Wesen zu begreifen.Die Samaritaner verhaften ihnen zur Selbsterkenntniß. Was be-deutet das, was sie nicht blos von der heidnischen Welt, sondern auchvon den, denselben Gott verehrenden und dasselbe Grundbuch aner-kennenden Nachbarn unterscheidet? Der Gedanke, daß sie ein eigenesBekenntniß haben, wurde ihnen dadurch erst recht klar, der Begriffdes „Judeuthums"ft ging ihnen durch den Gegensatz auf. Er
tz Sirach 50, 26: ö Xttrokxäir-
2) Die Bezeichnung „Judaismus" '/oodttkauö!,' kommt zwar erst i»Makkab. II, 2,11 u. a. St. vor; aber der Begriff desselben ist älter. Im Hebr.wurde „Judenthum" durch N 22 ni bezeichnet, nv 112 N bedeutete
das Judenthum aufgeben und zu einer andern Religion übergehen. Vergl.Esther 3,8: 2 :-