172 Geschichte der Juden.
dessen verfehlt war doch die Wahl, weil der Gerisim nur von ein«einzigen Seite zugänglich ist, von den übrigen aber steil in hj,Thäler abfällt. Selbst für die in der Nähe Wohnenden muß esmühsam gewesen sein, auf den Bergrücken zu dem Heiligthume z„gelangen, wenn es an dem der Stadt entgegengesetzten Platz gestandenhaben sollte, wo es die letzten Nachkommen der Samaritaner heutenoch zeigen. Ein anderer Einfall war glücklicher und macht dem-jenigen Ehre, der ihn zuerst gehabt hat, daß dieses Mischvolk näm-lich nicht Abkömmlinge jener Verbannten wäre, welche einst voneinem assyrischen König in diese Gegend verpflanzt wurden, sondernim Gegentheil echte Israeliten, Ueberbleibsel der Zehnstämme oderdes Stammes Joseph und Ephraims. Es mögen allerdings unterihnen wenige Nachkommen der Familien gewesen sein, die nach demUntergänge des Zehnstämmereiches sich noch bei Samaria behauptethatten; aber daß sämmtliche Chnthäer um Sanballat, die Ammoniterum Tvbia und die Araber um Gaschmu, alle welche sich um denTempel auf Gerisim gruppirten, daß alle diese Mischlinge sich alsreine Enkel von Joseph und Ephraim ausgaben und Israeliten nannten,war eine jener glücklichen kecken Fälschungen, die gerade wegen ihrerUngeheuerlichkeiten selbst diejenigen, die vom Gegentheil fest über-zeugt sind, stutzig macht. Jndeß ihre Sprache verrieth sie als ei»zusammengelanfenes Mischvolk; sie war ein Kauderwelsch aus ara-mäischen und anderen so fremdartig klingenden Elementen, daß es
brnobtn genannt hatten sjud. Kr. V. 8, 1): rf/,- tVenTrolrr- uri-hi'
r>7r,> Für muß man lesen,
was von Mehreren cmendirt wurde. — Die Zahl der Schriften über die Sama-ritaner ist Legion. Hier können nur die Quellenschriften, oder die diesen nahekommen, citirt werden. Zusammengestellt sind die verschiedenen Nachrichten vonInzmboll oommontarii in bistorirrm xsutis Lainaritanas, Leyden 1846 undErgänzung dazu, R. Kirchheim Introrlnotio in libr. llalmnä
<ls Samaritanis, Frankfurt a. M. 1851.
p Joscphns Alterth. XI, 8, 6. Aus den verschiedensten Zeiten klingt dieseBehauptung heraus. In: zweiten Jahrh. antwortete ein Samaritaner auf dieFrage, „woher stammst du?": '- 2 , aus dem Stamme Joseph. Dasselbe
behaupteten die Samaritaner im 12. und 17. Jahrh. und behaupten es nochheute. Richtig bemerkt S. Kohn, daß in dem Passus Könige II, 17, 24 fg,über den Ursprung der Chnthäer in V- 34b nx 'n
--- ein polemischer Zug enthalten sei, daß nur die Söhne Jakob's,d. h. die Judäer Israel genannt worden, nicht aber die Samaritaner lSamarit.Studien S. 91 fg. Anmerkung).