Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 2 (1876) Vom babylonischen Exile (586) bis zum Tode des Juda Makkabi (160)
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

Der Tempel auf Gerisim.

171

das Maaß voll. Schlau, wie er war, faßte er den Plan, dasjndciische Gemeinwesen durch die eignen Glieder unterwühlen zulassen. Er und die Seinigen wurden vom Tempel in Jerusalemzurückgewiesen. Wie, wenn er einen Tempel für denselben Gotterrichtete, der dem Jerusalemischen nebenbuhlerisch den Rang streitigmachen könnte? Hatte er doch Priester von den Nachkommen Ahron's,welche den Dienst in dem zu errichtenden Heiligthume in der gesetz-lichen Weise, nach Vorschrift der Thora verrichten könnten. SeinSchwiegersohn Manasse könnte darin die Würde des Hohenpriestersbekleiden und die anderen ebenfalls ausgewiesenen Ahroniden ihmzur Seite stehen. So schien sich Alles für ihn znm Besten zu fügen.Seine Sehnsucht nach Anschluß an den Gott Israels und seinEhrgeiz, an der Spitze eines geschlossenen Gemeinwesens zu stehen,könnten zugleich befriedigt werden. Zur Errichtung eines Tempelsbrauchte man wohl schwerlich eine besondere Erlaubniß vom PersischenHose, und wenn erforderlich, so war sie von dem Landpfleger oderdem Satrapen nicht gar so schwer zu erlangen.

So errichtete dann Sanballat auf der Spitze des fruchtbarenBerges Gerisim (Garizim) am Fuße der Stadt Sichern in derGegend, welche so recht den Mittelpunkt des Landes Palästina bildet,einen Tempel, wahrscheinlich nach dem Tode des Königs Artaxerxespun 420). Die Wahl des Platzes war von den schriftkundigenAhroniden, welche aus Jerusalem ausgewiesen worden, getroffen,weil von diesem Berge nach der denteronomischen Gesetzgebung derSegen für die Beobachter der Gesetze, dagegen auf dem gegenüberliegenden, weniger fruchtbaren Ebal der Fluch ausgesprochen werdensollte (II. 1 , S. 315). Unter der Hand gaben die Samaritaner demWorte eine andere Bedeutung. Sie bezeichnten und bezeichnennoch heutigen Tages den Gerisim alsBerg des Segens",als wenn überhaupt von ihm Segen und Heil ausginge. Selbstdie Stadt Sichem nannten sie danachSegen" (Llabrnobta Z. Jn-

tz Es ist bekannt, daß die Samaritaner den Gerisim stetsoder oder arabischBerg des Segens" nennen. Diese

Bencimung kommt in einer Relation des Midrasch bei einer Unterredungzwischen R'Jonathan <3. Jh.) und einem Samaritaner vor. Dieser fragte jenen,warum gehst du nicht beten (Genes. Rabba e. 32, Deuteron.

Rabba e. 3; hier lautet das Wortheiliger Berg". Diese Be-

nennung ist übrigens alt. Josephus tradirt, daß die Samarit. Sichem Na-