148 Geschichte der Juden.
Lebensbedarf entlehnt und dafür ein Unterpfand, entweder ihreFelder, Wein- oder Oel-Berge oder ihr Haus oder gar ihreKinder gegeben, so behielten die Gläubiger, wenn die Schuld nichtbezahlt war, den Boden als Eigenthum zurück und behandelten dieSöhne und Töchter als Sklaven. Als die Klagen der von derHärte Betroffenen immer häufiger und immer lauter in Nehemia'sOhren drangen, entschloß er sich, die hartherzigen Reichen darüberzu Rede zu stellen, obwohl er sein ganzes Unternehmen dabei aufsSpiel setzte, wenn die Vornehmen ihn, den Sittenrichter, im Sticheließen und sich mit den Feinden verbänden. Er berief eine großeVersammlung und sprach entschieden gegen diese vom Gesetze ganzbesonders verdammte Herzlosigkeit: „Wir Judäer in Persien habenunsere Brüder, welche an die Heiden als Sklaven verkauft waren,von ihnen losgekauft, so weit unsere Mittel reichten. Wenn ihreure Brüder verkaufen solltet, so würden sie an uns wieder verkauftwerden", so sprach er höhnisch zu ihnen. So groß war indeßNehemia's Ansehen, so gewichtig seine Stimme und zugleich soempfänglich selbst die Großen und Reichen für die Ermahnungenim Namen der Thora, daß sie sofort versprachen, nicht blos dengeknechteten Personen ihre Freiheit wiederzugeben, sondern auchHäuser, Aecker und Gärten den Eigenthümern zurückzuerstatten unddie Schulden überhaupt zu löschen. Diese günstige Stimmung be-nutzte Nehemia, um die Reichen einen Eid leisten zu lassen, daßsie ihr Wort verwirklichen werden. Freudig thaten sie es, sprachen„Amen" auf die Eidesformel und führten sofort ihr Versprechen aush.
Es war ein bedeutender Sieg, den das Gesetz, von Nehemiawürdig vertreten, über den Eigennutz davon getragen hat. Derjudäische Landpfleger ging aber Allen mit dem Beispiele opfer-williger Selbstlosigkeit voran. Nicht nur nahm er die Leistungen,die ihm gebührten, nicht an, sondern er machte noch den ArmenVorschüsse an Geld und Getreide, und wenn diese zahlungsunfähigwaren, ließ er die Schuld verfallen. Seine Verwandten und Dienerhandelten ebenso uneigennützig und edelmüthig^.
tz Das. 5,1 fg. V. 2 muß man lesen statt des unverständlichen
lonox, ganz so wie V. 3. B. 8b muß man lesen ünx vxi statt vzi.Dann ist die Dunkelheit der Construktion gehoben. V. 11 statt rxr.21 Das. 5, 10, 14—16.