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mein Herr, versteht nur zu selten die Schwäche oderdie Größe eines Weibes! Irrend — ganz menschlichgegenüber von Andern — begabt sie Gott mit tausendTugenden für den Einen, den sie liebt! Aus dieser Liebeallein schöpft sie ihre edlere Natur. Für den Helden,den sie anbetet, hat sie die Sanftmuth der Taube — dieErgebung einer Heiligen; für seine Rettung aus Gefahr,für seine Befreiung aus dem Unglücke saugt ihr arg-loser Sinn die List der Schlange — ihr schwaches Herzden Muth der Löwin ein! Das ist cs, was währendder Trennung mein Antlitz mich unter Lächeln verbergenließ, damit die Freunde des heimathlosen Verbanntennicht an seinem Schicksale verzweifelten — das ist es,was mich durch Wälder trieb, in denen Räuber hausten,um die Sterne über jenem einsamen Thurme zu bewa-chen — das war es, was meine Schritte zu den rau-schenden Lustbarkeiten Eures mir verhaßten Hofes führte— das ließ mich einen Befreier in dem Edelsten seinerGroßen suchen —das endlich öffnete dem Gefangenen,der jetzt in Euren Mauern sich befindet, die Kerkcrthüre,und das, Herr Cardinal," fuhr Nina fort, indem sieaufstand und ihre Arme auf ihrem Herzen kreuzte, „daswird, wenn Euer Zorn ein Opfer sucht, mich ermuthi-gen, daß ich ohne einen Seufzer— asier auch ohne Ent-ehrung sterbe!"
Albornoz blieb wie in den Boden gewurzelt. Er-staunen, Bewegung, Bewunderung, Alles stürmte aufsein Herz ein. Auf Nina's flammendes Auge und wo-genden Busen blickte er wie ein Krieger des AlterthumSauf eine begeisterte Prophetin. Wie durch einen Zauber