Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
220
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fahren, «ou mir kam sie allein. Denn bis nach un-serer letzten Unterredung wußte Nienzi nicht einmal,daß ich in Avignon anwesend war."

„Bei unserer letzten Unterredung, gnädige Frau(Ihr thut wohl, daß Ihr daran erinnert!), wurde,dünkt mich, stillschweigend ein Vertrag geschloffen.Ich bin meiner Obliegenheit nachgekommen — ichverlange dasselbe von Euch. Hört mich! Ich gebemeine Ansprüche nicht auf. Eben so leicht, wie ichLiesen Handschuh zerreiße, kann ich das Pergamentzerreißen, das Deinen Gatten zu dem Senator vonRom ernannt. Der Kerker ist nicht der Tod, undseine Thüre kann sich auch zum zweite nmale öffnen."

„Mein Herr — mein Herr!" rief Nina, krankvor Schrecken, „thut Eurer edlen Natur, Eurem großenNamen, Eurem heiligen Stande, Eurem ritterlichenBlute nicht solche Schmach an. Ihr seid von demritterlichen Geschlecht- Spaniens; die schmutzigen, nie-drigen, unerbittlichen Laster, welche die kleinen Tyran-nen dieses unglücklichen Landes beflecken, sind Euchnicht eigen. Ihr seid kein Visconti — kein Castra-cani — Ihr könnt Eure Lorbeeren nicht durch Rachegegen ein Weib besudeln. Hört mich," fuhr sie fortund fiel plötzlich zu seinen Füßen; „die Männer täu-schen und betrügen unser Geschlecht — und zwar auseigennützigen Absichten; ihnen wird verziehen — selbstvon ihren Opfern. Betrog ich Euch durch eine falscheHoffnung? Gut — waS war mein Zweck? — wasist meine Entschuldigung? Die Freiheit meines Gatte»— die Rettung meines Vaterlandes! Euer Geschlecht,