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Geschichte der Juden.
von diesem Kaiser aus dem Kerker befreit (o. S. 344), nahm wiederseine hohe Stellung ein und konnte für seine Stammesgenossen segens-reich tätig sein. Sein Bruder Philo begann erst in dieser Zeit unterClaudius die Gedankenschätze seines Innern zur Belehrung für großeKreise zu offenbaren und bildete den Höhepunkt der juväisch-griechischenGeistesrichtung. Griechisch redende und gebildete Judäer hatten bisdahin viel in der hellenischen Sprache geschrieben, teils zur Abwehrhämischer Angriffe auf ihren Ursprung und ihre Lehre, teils zur eigenenBelehrung und zur Kräftigung ihrer Überzeugungen. Aber bleibendenWert hatte dieses Schrifttum, soweit es nach dem Erhaltenen beurteiltwerden kann, durchaus nicht. Auf die dichterischen Erzeugnisse (o. S. 46)waren geschichtliche gefolgt, teils unter eigenem, teils unter erborgtemNamen und unter täuschender Vermummung. Ein DemetriosZhatte eine Art Geschichte oder Chronologie der Judäer geschrieben vonder Zeit der Erzväter vielleicht bis zur babylonischen Verbannung mitgenauer Berechnung der Jahre von Adam bis zur Wanderung nachÄgypten, und vom Exile der Zehnstämme und der babylonischen Ge-fangenschaft bis zur Zeit eines Königs Ptolemäus. Ein anderer Schrift-steller, unter dem Namen Eupolemos, hinterließ ein Geschichtswerküber die Könige und Propheten — mit vielem Aufputz. Darin wurdebesonders Salomo verherrlicht, und ein erdichteter Briefwechsel zwischenihm und den Königen von Ägypten und Tyrus mitgeteilt. Von MosesWeisheit wurde in diesem Geschichtsbuch gepriesen, daß er nicht bloßdie Gesetze, sondern auch die Buchstabenschrift den Judäern überlieferthabe, und daß erst von ihnen die Phönizier und von diesen die Griechendie Schrift entlehnt hätten.
Ein judäisch-alexandrinischer Schriftsteller unter dem NamenArtapanos, der einem ägyptischen Priester die Geschichte von demGeschlechts der Judäer in den Mund legte, mischte in die Urgeschichteallerlei Fabeleien über Joseph und Mose. Weil griechische Schmähervon dem Gesetzgeber mit Verachtung sprachen (o. S. 323), verherrlichteihn dieser — nennen wir ihn Artapanos — über die Maßen. Er habeeigentlich Moysos geheißen und sei derselbe, den die Hellenen alsMusaios, den Lehrer des Saitenspielers Orpheus, hoch verehrten.Er sei auch als Hermes, als Ausleger der heiligen Schriften derÄgypter, von den Priestern in hoher Verehrung gehalten worden.Dieser Moysos habe sehr viele nützliche Erfindungen eingeführt, auchdie Philosophie gelehrt, sei ein gar bedeutender Krieger gewesen undhabe einen Waffenzug gegen die Äthiopier ausgeführt. Noch viel mehr
*) Vergl. über diese Literatur Note 3.