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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Juden.

an den Feldecken zu sammeln, man müsse sie vielmehr in jeder Beziehunggleich judäischen Armen behandeln; man solle den Heiden den Friedens-gruß auch an ihren Feiertagen geben, wenn sie dem Götzendienste an-dächtig obliegen. Aus dieser Gesetzgebung bildete sich die menschen-freundliche Praxis aus, daß in den Städten von gemischter Bevölkerungfür die heidnischen Almosenbedürftigen ebensogut wie für die judäischengesorgt wurde, daß man die heidnischen Kranken Pflegte, ihren Hin-geschiedenen die letzte Ehre erwies, ihre Leidtragenden tröstete'). Möglich,daß in dieser Zeit das Synhedrion, mit Rabban Gamaliel an derSpitze, ein noch weiter gehendes Gesetz zur Nachachtnng erlassen hat,daß nämlich Heiden nicht als Götzendiener angesehen, ja halb und halbals Judäer behandelt werden sollen, wenn sie gewisse sittliche undreligiöse Verpflichtungen übernommen haben, nämlich die Enthaltung vonGötzenkultus, von Blutschande, von Mord, von Raub, vom Genuß derFleischstücke von lebenden Tieren, von Lästerung des Gottes Israels undendlich die Wahrung der Rechtspflege. Diese sieben Bestimmungen wurdennoachidische Gesetze genannt, weil nach einer eigenen Auslegung inder Erzählung der Genesis von Adam und Noa gefunden wurde, daßsie Noa seinen Nachkommen zur Pflicht gemacht hätte ^). Man könntein dieser heidenfreundlichen Gesetzgebung die Wirkung der agrippinischenRegierung erblicken. Rom und Judäa hatten für einen Augenblick ihregegenseitige Gehässigkeit abgelegt und zeigten einander wohlwollendeGesinnung. Die Zuvorkommenheit Roms gegen die Judäer ging so weit,daß, als einige leichtfertige Jünglinge der Stadt Dora in ihrem Übermutund Judenhaß auf Anregung der Menge des Kaisers Bildnis in dieSynagogen gestellt hatten, der Statthalter Petronins auf AgrippasKlage die Weisung ergehen ließ, solchem Unfuge der Religionsverletzungmit Nachdruck zu steuern"). Wie sehr hatten sich die Zeiten geändert!Andererseits durfte Agrippa die phönizische Stadt Berytus aus Dank-barkeit schmücken und in ihr Theater, Bäder und Säulengänge mitvoller Pracht bauend, ohne dafür von den Trägern der Religion ge-tadelt zu werden.

Nach Vollendung der Bauten ließ er für die Bewohner Gladia-torenkämpfe aufführen, wozu er 1400 verurteilte Verbrecher auswählte,die so lange gegeneinander kämpfen mußten, bis sie sämtlich auf demPlatze blieben. Solche blutige, entsetzliche Schauspiele, von dem herz-

U LI. Oiltin V, 8, b. 59 b, 61 ff. llsrns. Llitliu 47 o.

2) losslta L.boäa Lara II, u. a. St. Vsrgl. Graetz, jüd. Proselytenunter den Kaisern S. 28.

3) Josephus Altert. XIX, 6, 3

4) Das. 7, 5.